Streit um Daten

FBI knackt iPhone angeblich selbst

Die Auseinandersetzung zwischen Apple und dem FBI um Handy-Daten kommt zu einem vorläufigen Ende.

Die Auseinandersetzung zwischen Apple und dem FBI um Handy-Daten kommt zu einem vorläufigen Ende.

30.03.2016 Washington. Der Justizstreit zwischen Apple und der amerikanischen Regierung um verschlüsselte Handy-Daten ist vorbei, noch ehe er richtig begonnen hat.

„Entweder die Verfassung erlaubt berechtigte Durchsuchungen im digitalen Zeitalter. Oder Internet-Firmen können Systeme schaffen, um gerichtliche Anordnungen zu ignorieren. Sie stellen sich und Kriminelle, Terroristen eingeschlossen, damit über das Gesetz.“

Mit diesem Fazit bringt das in der Regel wirtschaftsfreundliche „Wall Street Journal“ den vorläufigen Waffenstillstand im Prinzipienstreit um Datensicherheit und Strafverfolgung zwischen der amerikanischen Bundespolizei FBI und dem Kommunikations-Giganten Apple auf den Punkt.

Im Mittelpunkt steht das Mobiltelefon des mutmaßlich islamistischen Terroristen Syed Farook, der im Dezember 2015 in San Bernardino/Kalifornien gemeinsam mit seiner Frau 14 Menschen tötete. Das Handy, von dem sich die Ermittler Informationen über mögliche Hintermänner erhoffen, war durch ein Passwort geschützt. Farook wurde im Laufe des Anschlags erschossen. Der per Klage bekräftigten Aufforderung von FBI und Justizministerium, ein Entschlüsselungs-Programm zu schreiben, widersetzte sich Apple mit großem Aplomb. Begründung: So würden einer flächendeckenden Aushebelung des Datenschutzes für Millionen von Privatkunden die Tore geöffnet.

Dutzende Internetfirmen wie Facebook und Google stellten sich hinter Apple. Dagegen erweckt FBI-Chef James Comy in einer Anhörung vor dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses den Eindruck, dass seine Ermittler ohne technischen Beistand von Apple-Ingenieuren total aufgeschmissen seien. Der Grundsatzstreit lief auf einen juristischen Showdown hinaus – bis das FBI und das Justizministerium vor wenig Tagen überraschend einen Rückzieher machten und die Klage zurückzogen.

Auslöser: Durch Hilfe eines Dritten (verdächtigt wird der israelische Entschlüsselungs-Anbieter Cellebrite, der bisher jede Kooperation offiziell abstreitet), sei es gelungen, das Mobiltelefon zu knacken. Ende gut, alles gut? Eher nicht.

Dass ein Drittanbieter die als unüberwindbar bezeichnete technische Klippe gemeistert hat, bestärkt Experten wie Evan Greer von der Internet-Aktivistengruppe „Fight for the Future“ in ihrem Verdacht: „Das FBI hatte bereits die technischen Fähigkeiten, das Telefon zu hacken. Sie wollten aus San Bernardino einen Präzedenzfall machen, um die Verschlüsselungs-Technologien der Hersteller generell anzugreifen.“

Wie Greer prophezeien auch andere Sachverständige, dass US-amerikanische Richter künftig ähnliche Hilfsersuchen der Bundespolizei „mit spitzen Fingern anfassen werden“. (Dirk Hautkapp)