Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt

"Es tut mir im Herzen weh"

Gespräch in der Villa Hammerschmidt: Papst Benedikt XVI. unterhält sich am 19. August 2005 bei seinem Besuch in Bonn mit dem damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler.

BONN. Mit Überraschung, Bestürzung, aber auch Verständnis - so reagieren Theologen und Laien auf den Rücktritt von Papst Benedikt.

"Es tut mir im Herzen weh, dass Papst Benedikt XVI. geht. Ich war ihm auch persönlich verbunden. Ich habe ein Jahr bei ihm in Regensburg studiert", sagte am Dienstag Alfons W. Adelkamp, Dechant des Dekanats Bonn Nord, nachdem der Heilige Vater am Montag seinen Rücktritt angekündigt hatte.

Benedikt habe auch in dieser Phase konsequent gehandelt. Der neue Papst werde nun die Katholische Kirche weiter in die Moderne führen und sie gleichzeitig ganz nah an den Menschen halten müssen, urteilt Adelkamp. "Die Kirche muss gerade heute noch deutlicher zeigen, dass sie aus der Liebe Gottes heraus für die Menschen da ist."

Das betont auch Schwester Margret von Haehling für den Bonner Katholikenrat. Benedikt sei ein wahrlich großer Theologe und habe mit seinem Rücktritt eine großartige menschliche und christliche Geste gezeigt, in Bescheidenheit nicht unbedingt am Amt festzuhalten.

Er habe aber auch die Erkenntnis geäußert, "dass etwas anders werden muss, dass Reformen notwenig sind", sagte die Vorsitzende des Rates. Sie denke da an die Themen Wiederverheiratung Geschiedener und die Rolle der Frau bei den Katholiken. "Der neue Papst muss die Kirche in eine neue Zeit öffnen", meint von Haehling.

Der Godesberger Dechant Wolfgang Picken sieht mit Benedikt "für die Kirche eine große geistliche Führungspersönlichkeit" Abschied nehmen. "Er sah viele zeitgenössische Entwicklungen mit Recht kritisch und hat entsprechend seine Stimme mahnend erhoben."

Kirche und Gesellschaft brauchten solche Infragestellung, damit Fehlentwicklungen korrigiert und Prozesse in die richtige Richtung gesteuert werden könnten. Die Katholiken aus Bad Godesberg fühlten sich mit Benedikt besonders verbunden. Während seiner Bonner Zeit hatte Josef Ratzinger ab Ende der 1950er Jahre einige Zeit an der Wurzerstraße gewohnt.

Die auch politische Dimension der überraschenden Entscheidung Benedikts hebt Jesuitenpater Johannes Siebner hervor. "Er eröffnet mit diesem respektablen Schritt eine ganz neue Sicht auf die Ausübung von Ämtern innerhalb der Katholischen Kirche", sagt der Rektor des Aloisiuskollegs.

Benedikt mache den Weg frei, dass Päpste nicht mehr auf Lebenszeit gewählt werden müssten. Auch beim Missbrauchsthema habe Benedikt eine über alle Zweifel erhabene Haltung gezeigt, er sei die Fälle in Klarheit und Strenge angegangen. "Da wünsche ich mir vom neuen Papst Kontinuität", sagte Siebner.

Mit seinem Rücktritt fordere der Papst, dass das höchste Kirchenamt eine intellektuell und gesundheitlich kraftvolle Persönlichkeit ausfüllen müsse, meint Martin Utsch vom Kirchengemeindeverband Am Ennert.

Benedikts Nachfolger möge keine Angst haben, neue Wege zu beschreiten, wünscht sich Utsch. "Wir Katholiken, die noch nicht resigniert haben, erwarten im besten Sinne einen Heiligen Vater, der uns begleitet und in diesem Sinne wirklich vorangeht." Und dann hofft Utsch noch, der Heilige Geist möge in den nächsten Wochen bei der Papstwahl "massenweise Überstunden machen".