Kommentar zu Trumps Skandalen

Ein letzter Weckruf

Skandalträchtig: US-Präsident Donald Trump beim G20-Gipfel in Argentinien.

Skandalträchtig: US-Präsident Donald Trump beim G20-Gipfel in Argentinien.

Schon lange überschreitet US-Präsident Donald Trump verbal Grenzen. Die Öffentlichkeit muss sich nach den Aussagen seines Ex-Anwalts darauf einstellen, dass die nächsten Monate hässlich werden. Die Enthüllungen sollten ein letzter Weckruf für die Republikaner sein.

Es ist – nach den Schweigegeld-Zahlungen für zwei Sex-Affären Donald Trumps – schon der zweite Dolchstoß, den Michael Cohen seinem ehemaligen Idol zugefügt hat. Das Eingeständnis des langjährigen Privat-Anwalts, den Kongress über ein milliardenschweres Immobilienprojekt Trumps in Moskau aus „Loyalität“ zu Trump belogen zu haben, ist ein wichtiges Einzelstück im Puzzle der bizarren Entstehungsphase einer Präsidentschaft, von der sich Amerika lange nicht erholen wird.

Sonderermittler Robert Mueller kann nun eine gerade Linie ziehen zwischen Trumps verheimlichten Interessen als Bau-Mogul in Russland – zu einem Zeitpunkt, als er bereits Kandidat für das Weiße Haus war – und seiner chronisch nachsichtigen Wattebausch-Rhetorik gegenüber Präsident Wladimir Putin. Die Trump-Skandal-verseuchte Öffentlichkeit muss sich darauf einstellen, dass die nächsten Monate noch hässlicher werden. Bereits heute überschreitet der Präsident bei seinen Hasstiraden gegen Robert Mueller oft die Grenze zur Verleumdung.

Trump ahnt, dass ihm und seiner Familie noch viel mehr Ungemach droht. Dass Trump offenkundig willens war, sich mit dem Kreml geschäftlich ins Bett zu legen, während russische Cyber-Schergen E-Mails der Demokraten um seine Konkurrentin Hillary Clinton knackten und über die Enthüllungsplattform Wikileaks in die Öffentlichkeit kippen ließen, um Trump ins Amt zu hieven, muss für die republikanische Partei ein letzter Weckruf sein. Steht sie jetzt nicht auf und distanziert sich von Trump, geht sie mit ihm unter.