Kommentar zum Singapur-Gipfel

Ein Anfang ist gemacht

Kim Jong Un und Donald Trump: Nach vielen Jahrzehnten erbitterter Feindschaft trafen sich der aktuelle Chef von Nordkoreas kommunistischer Herrscherfamilie und ein amtierender US-Präsident erstmals persönlich.

Kim Jong Un und Donald Trump: Nach vielen Jahrzehnten erbitterter Feindschaft trafen sich der aktuelle Chef von Nordkoreas kommunistischer Herrscherfamilie und ein amtierender US-Präsident erstmals persönlich.

Der Singapur-Gipfel ist Geschichte. Trump hat beim Gipfel nicht wirklich eine Meisterleistung vollbracht. Dennoch: Ein Anfang ist gemacht.

Anders als Trump nun prahlt, hat er beim Gipfel in Singapur nicht wirklich eine Meisterleistung vollbracht. Weder ist es dem US-Präsidenten gelungen, seinem nordkoreanischen Widersacher, Machthaber Kim Jong Un, auf einen konkreten Zeitplan bei der bereits von ihm zugesagten Denuklearisierung festzunageln. Noch hat sich Nordkorea in dem Grundsatzabkommen zu irgend etwas anderem verpflichten lassen. Wann es mit der nuklearen Abrüstung losgehen soll, steht völlig in den Sternen. Nordkoreas massive Menschenrechtsverletzungen waren hingegen nur ein Randthema. Kim wiederum hat die Bilder erhalten, die er immer wollte: Nordkoreas großer Führer auf Augenhöhe mit dem Präsidenten der USA.

Und doch: Trotz aller Chancen, die Trump bei dem offenbar durchaus zu Zugeständnissen bereiten nordkoreanischen Machthabers versäumt hat, muss man dem US-Präsidenten zwei Dinge lassen: Das Treffen hätte auch übel nach hinten losgehen können; Trump ist es offenbar gelungen, seine mangelnde Vorbereitung zu überspielen. Und: Ein Anfang ist gemacht.

In der anschließenden Pressekonferenz hat Trump zugesichert, dass Außenminister Mike Pompeo noch in der kommenden Woche nach Pjöngjang reisen wird, um die Details auszuhandeln. Das ist zwar nicht schriftlich verankert. Kombiniert aber mit der Ankündigung, dass Trump den nordkoreanischen Machthaber bereits für Herbst zu sich ins Weiße Haus eingeladen hat, lässt es hoffen. Denn wenn es bis dahin keine konkreten Ergebnisse gibt, könnte es für Trump kurz vor den Midterm-Wahlen peinlich werden. Er muss liefern.

Verhandlungen allein mit Nordkorea reichen nicht aus. Lösen lässt sich der Konflikt nur, wenn beide Seiten auch aktiv Nordkoreas Nachbarstaaten in die Verhandlungen einbeziehen. Alles, was Trump mit Kim vereinbart, bedarf auch der Zustimmung von Südkorea, Japan, Russland und allen voran China.

Die Sicherheitsgarantien etwa, die das Kim-Regime zur Bedingung macht, kann nur China wirklich gewährleisten. Die USA wiederum können noch so sehr auf die Sanktionen als Druckmittel setzen – sie wirken nur, wenn auch China mitmacht. 90 Prozent des Handels von Nordkorea lief zuletzt über den großen Nachbarn. Sobald Peking die Sanktionen lockert, verpufft dieses Druckmittel. Die chinesische Führung schlägt vor, dass das Sechs-Parteien-Format wiederbelebt wird. China will dabei keineswegs nur Zaungast sein. Trump sollte dieses Begehren ernst nehmen.

Was den Gipfel von Singapur trotz mangelnder Substanz dennoch historisch macht: Die beiden Streithähne, die sich vor einem Jahr noch gegenseitig mit der kompletten Vernichtung ihrer jeweiligen Länder drohten, sind zu der Erkenntnis gelangt: Verhandeln ist besser als schießen.