Kommentar zu Trumps Amtsantritt

Ego-Show

US Präsident Donald Trump und sein Sohn Barron vor der traditionellen Parade zur Amtseinführung.

US Präsident Donald Trump und sein Sohn Barron vor der traditionellen Parade zur Amtseinführung.

Statt zivile Massenproteste im Sinne seines Versprechens, das zerrissene Land zu einen, mit präsidialer Geste ernst zu nehmen, geht es Donald Trump vor allem um eines: sich selbst.

Soll noch einer sagen, Donald Trump könne die Menschen nicht zusammenbringen. Millionen zeigten dem frisch vereidigten Präsidenten in den USA (und weit darüber hinaus) am Wochenende die dunkelrote Karte. In Washington stellte der „Frauen-Marsch“ die von vielen Misstönen begleitete Amtseinführung des unbeherrschten Unternehmers sogar in den Schatten.

Es war ein Vorgeschmack auf das, was dem ausweislich aller Umfragen schon zum Start unbeliebtesten US-Präsidenten aller Zeiten blüht, sollte er sein Radikalprogramm zum Umbau des Staates durchsetzen wollen: Totalopposition. Ziviler Ungehorsam. Aufbegehren.

Trump ignoriert die Fallstricke. Anstatt die zivilen Massenproteste im Sinne seines Versprechens, das zerrissene Land zu einen, mit präsidialer Geste ernst zu nehmen, blieb er stumm. Ein bei der CIA angesetzter Versöhnungsbesuch – Trump hatte dem Auslandsgeheimdienst eine Verschwörung gegen sich im Stile von Nazi-Deutschland unterstellt – geriet zudem zur schäbigen Ego-Show.

Am ersten Wochenende seiner Amtszeit zeigte der neue Präsident damit der Welt seinen narzisstischen Charakter. Trump führte allen Ernstes Klage darüber, dass die Medien den Besucherandrang bei seiner Amtseinführung als das beschrieben, was er war – mickriger als bei Obama.

Ab sofort steht Donald Trump auf der Weltbühne: Nordkorea, Iran, China, Russland, die Brandherde im Nahen Osten. Das sind die Themen, die über Krieg und Frieden entscheiden können. Was, wenn eine andere Macht demnächst Trumps grenzenlose Eitelkeit herausfordert?