Cohen und Manafort

Donald Trump steht mit einem Bein am Abgrund

"Man macht etwas Gutes und sie versuchen, es so schlecht wie möglich zu machen": Donald Trump.

Donald Trump gerät in Bedrängnis.

Washington. Amerikas Demokratie kränkelt an vielen Stellen. Die Republikaner versuchen ihren Präsidenten aus der Schusslinie zu bringen. Doch Trumps Glaubwürdigkeit ist schon lange ramponiert.

In einer gesunden Demokratie hätte eine Delegation führender Vertreter der Mehrheitspartei im amerikanischen Parlament gestern um eine Dringlichkeitssitzung im Weißen Haus gebeten. Um den Amtsinhaber zum Schutz der Nation zum Rücktritt aufzufordern und im Falle der Verweigerung die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens anzukündigen. 

So und nicht anders hätten die Republikaner gehandelt, wären all die Tabubrüche, die Donald Trump zur Last gelegt werden, einst dessen demokratischem Vorgänger Barack Obama vorgeworfen worden. 

Aber Amerikas Demokratie ist nicht wirklich gesund. Sie kränkelt an vielen Stellen. Ein Indiz: Die Partei, die einst den Demokraten Bill Clinton aus dem Amt drangsalieren wollte, weil er Sex mit einer Praktikantin geleugnet hatte, drückt bei Trump trotz erdrückender Fakten bisher beide Augen zu.

Trumps Glaubwürdigkeit ramponiert

Michael Cohen, sein eigener Anwalt und "Ausputzer", hat den Präsidenten unter Eid als Auftraggeber in einem verschwörerischen Akt identifiziert, der die Wahl von 2016 beeinflussen sollte. Um Wähler nicht zu vergrätzen, wurde zwei Frauen, mit denen Trump außereheliche Affären gehabt haben soll, aus der Wahlkampfkasse rechtzeitig Schweigegeld in Höhe von insgesamt rund 300 000 Dollar gezahlt. Von Cohen, der dafür ins Gefängnis zu gehen bereit ist. Und auf Anweisung Trumps, der sich zeitlebens aus Problemen herausgekauft hat, bis heute alles abstreitet und die Nation zum Narren hält. 

Anstatt die Dinge beim Namen zu nennen, versuchen die Republikaner ihren Präsidenten aus der Schusslinie zu filibustern. Das wird - abgesehen von einem harten Kern seiner Wähler - nicht verfangen. Trumps Glaubwürdigkeit war bereits vor dem „schwarzen Dienstag“ ramponiert. Jetzt drohen auch die Restbestände aufgezehrt zu werden. 

Und dabei ist die Russland-Affäre und damit der Verdacht der Kumpanei zwischen Donald Trump und Wladimir Putin zu Lasten Hillary Clintons vor dem Urnengang 2016 von Sonder-Ermittler Robert Mueller nicht mal ansatzweise öffentlich ausgeleuchtet. Was der frühere FBI-Chef, der still und strategisch wie ein Schachspieler seine Züge setzt, am Ende des Tages präsentieren wird, weiß heute noch niemand. 

Dass Trump seit Wochen hyperventiliert und in justiziablen Worten die von seinem eigenen Justizministerium angeordnete Untersuchung diffamiert, lässt nicht zwingend den Schluss zu, dass der Präsident abseits aller Unschuldsbeteuerungen tatsächlich ein reines Gewissen hat.

Verstrickt in Lügen und Widersprüche

Wie es darum wirklich bestellt ist, würde sich erst zeigen, wenn sich Trump einer Vernehmung ohne Vorbedingungen durch Mueller stellen und alle Karten (vor allem seine Steuer-Erklärung) auf den Tisch legen würde. Aber Trump zaudert auf Anraten einer Armada von Anwälten. Sie wissen aus Erfahrung: Wenn sich einer um Kopf und Kragen reden könnte, dann Trump, der Meineide für lässliche Versprecher hält. 

Je lauter die wandelnden Zeitbomben Cohen, Manafort ticken (und all die anderen, die wie Trumps Sohn Donald Jr. oder der Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn noch kommen werden), desto näher rückt Trump an den Abgrund, der ihn wie weiland Richard Nixon in der Watergate-Krise zum Abdanken zwingen könnte. 

Dann nämlich, wenn der unter Druck zu selbstzerstörerischen Handlungen neigende Geschäftsmann, sich so tief in Lügen und Widersprüche verstrickt, dass es auch ohne Anklage oder Amtsenthebungsverfahren kein Weiter-so geben kann. Ob es so kommt - abwarten. Auch ein Befreiungsakt, bei dem die Republikaner Trump die Stange halten, ist nicht völlig ausgeschlossen.

Für die Welt insgesamt, der Trump von Iran über Nordkorea bis hin zur Handelspolitik fahrlässig Dutzende neue Konflikte beschert hat, heißt das nichts Gutes. Ein noch unkalkulierbarer gewordener US-Präsident kann böse Überraschungen bereithalten.