Kommentar zum Anschlag in Neuseeland

Die Tat trifft auch uns

Ein Polizist patrouilliert hinter einem Absperrband in der Nähe einer Moschee im Zentrum von Christchurch.

Ein Polizist patrouilliert hinter einem Absperrband in der Nähe einer Moschee im Zentrum von Christchurch.

Berlin. Mindestens 49 Menschen sind bei dem Attentat in Neuseeland ums Leben gekommen. Doch die Tat wirkt zugleich mitten in die deutsche Gesellschaft hinein, kommentiert GA-Korrespondent Gregor Mayntz.

Das Attentat auf die Moscheen in Neuseeland ist zwar auf der anderen Seite der Erde verübt worden. Doch es wirkt zugleich mitten in die europäische Völkergemeinschaft und mitten in die deutsche Gesellschaft hinein. Der mutmaßliche Haupttäter will Rache für eine Bluttat in Schweden geübt haben und greift in seinem Internet-Manifest die deutsche Bundeskanzlerin namentlich an. Vor allem sind seine ideologischen Wahrnehmungen von einem angeblichen „Austausch“ der Bevölkerung auch in Deutschland weit verbreitet. Mit ihnen werden radikale Forderungen begründet. Und sie dienten den Rechtsterroristen in Neuseeland nun zu den obskuren Begründungen, sich mit dem Attentat gegen Eindringlinge „verteidigen“ zu wollen.

Das Massaker muss deshalb die Behörden dazu bringen, die Gefährdungseinschätzung auch in Deutschland zu überprüfen. Denn sämtliche Bestandteile, mit denen die grauenhaften Tat begründet wird, liegen auch in Deutschland bereit, werden von Scharfmachern immer mehr aufpoliert.

Die Staatsanwaltschaften und Gerichte müssen zudem prüfen, ob sie ihre Kräfte auf die Bekämpfung von Hass und Gewaltdrohungen konzentrieren, damit den Hetzern die Grenzen aufgezeigt werden. Vor allem geht es um ein Eintreten für eine menschliche Gesellschaft an jedem Ort und in jeder Situation. Wo auch immer Bevölkerungsgruppen pauschal unter Verdacht gestellt werden, wo auch immer Menschen wegen ihrer Religion oder ihrer Herkunft als „nicht hierher“ gehörend bezeichnet werden, da ist Widerspruch die erste Bürgerpflicht. Möglicherweise wirkt das mehr als die öffentliche Verurteilung der Tat und die öffentliche Solidarisierung mit jenen, die jetzt mit mehr Angst vor Terror leben müssen.