Trumps "Nanny"

Der neue US-Stabschef John Kelly im Porträt

Derzeit eine wichtige Stütze für Donald Trump: US-Stabschef John Kelly.

Derzeit eine wichtige Stütze für Donald Trump: US-Stabschef John Kelly.

Washington. John Kelly hat als Stabschef im Weißen Haus binnen weniger Wochen merklich Ordnung ins Chaos gebracht. Inwieweit sein Einfluss reicht, um den Präsidenten zu mäßigen, ist aber ungewiss.

Donald Trump gewährt Gunst. Und entzieht sie im Handumdrehen wieder. Vor allem dann, wenn ihm der Logenplatz im medialen Rampenlicht streitig gemacht wird. Amerikas Präsident hat nie verwunden, dass sein Ex-Chef-Stratege Stephen Bannon als „Der große Manipulator“ auf dem Titelblatt des „Time“-Magazins erschien. Sah so aus, als laufe Trump an der langen Leine des radikalen Populisten.

John Francis Kelly (69) achtet seit sechs Wochen penibel darauf, dass ähnliche Arien über ihn nicht in Umlauf geraten. Sie könnten seinen Job gefährden. Und den Regierungsalltag in Washington.

Seit Ablösung des überforderten Reince Priebus versucht der ehemalige Vier-Sterne-General, das Weiße Haus auf Professionalität zu trimmen. Der irisch-katholisch verwurzelte Mann aus Boston, der auf vier Jahrzehnte Topkarriere in den Streitkräften zurückblickt, hat mit militärischer Kühle und Präzision dafür gesorgt, dass Ego-Shooter wie Bannon und die „Berater“ Sebastian Gorka und Anthony Scaramucci den Laufpass bekamen.

Täglicher Intrigantenstadl

Auch der tägliche Intrigantenstadl verliert etwas an Sauerstoff. Die Zahl der Indiskretionen geht zurück. Wie das? Jede offizielle Kommunikation mit dem für Einflüsterungen empfänglichen Trump geht über Kelly. Auch das Duo „Javanka“ – Trumps Tochter Ivanka und Schwiegersohn Jared Kushner – muss durchs Nadelöhr.

Wie ein Schleusenwärter wacht Kelly darüber, dass Trump im Tagesgeschäft nicht mit Verschwörungstheorien, halbgaren Informationen und Polemik gefüttert wird, die später durch präsidiale Tweets geadelt werden. Die „Tage der offenen Tür“ im Oval Office sind vorbei. Zeitkontingente mit Trump, der sich schlecht konzentrieren kann und permanent nach Ablenkung und Bestätigung sucht, teilt Kelly ein.

Omarosa Manigault zum Beispiel, ein Faktotum, das Trump aus seiner Zeit als TV-Showman kennt und (wofür, weiß niemand) mit einem 180.000-Dollar-Job im Westflügel des Weißen Hauses ausgestattet hat, läuft vor verschlossene Türen.

Bisher ließ sich Trump das An-die-Hand-Nehmen gefallen. Auch weil er gute Presse bekam. Für seine jüngste Rede zu Afghanistan (Verstetigung des US-Engagements statt Abzug) erfuhr Trump Anerkennung bis ins demokratische Lager hinein. Kelly, gemeinsam mit den anderen Topmilitärs, Sicherheitsberater McMaster und Verteidigungsminister Mattis, steckte dahinter.

Ausgezeichnete Arbeit

Mehr als einmal lobte der Präsident Kelly für „ausgezeichnete“ Arbeit über den grünen Klee. Nicht anders verhält es sich mit Trumps Reaktion auf die jüngsten Naturkatastrophen. Die Auftritte nach Hurrikan Harvey und Irma in Texas und Florida brachten dem Präsidenten überparteiliches Lob ein. Kelly, zuvor Heimatschutzminister, hat die Bilder vom „Kümmerer-in-Chief“ teilweise choreographiert. Ab diesem Montag muss Kelly den Präsidenten durch die heikle UN-Vollversammlungswoche in New York navigieren.

Weil zu viel Lob in Washington reflexartig Neider und Querschläger animiert, weht seit Kurzem Gegenwind. John Kelly betreibe zu viel Mikromanagement, spiele sich als Trumps „Nanny“ auf und versuche, die Instinkte des New Yorker Immobilien-Milliardärs zu domestizieren, streuen laut US-Medien missgünstige Kritiker wie Roger Stone.

Stephen Bannon sagte in seinem jüngsten Fernsehinterview, dass niemand Donald Trump dauerhaft vorschreiben könne, was zu sagen und zu tun sei und was nicht. Es klang wie eine Warnung.