Glosse zu Trumps Händeschütteln

Der „Trumpshake“ und wie er gekontert wird

Trump reicht ihm die Hand, doch Abe zögert. Japans Premier weiß aus Erfahrung, dass der "Trumpshake" kein Vergnügen bereitet.

Trump reicht ihm die Hand, doch Abe zögert. Japans Premier weiß aus Erfahrung, dass der "Trumpshake" kein Vergnügen bereitet.

Donald Trump hat die politische Bedeutung des Handschlags erkannt - auf seine ganz eigene Art. Er folgt den Prinzipien klassischer Kriegsstrategen. Nicht immer ist er damit erfolgreich.

"Das Händeschütteln ist der Schwellenakt, der Beginn der Politik.“ Eigentlich erstaunlich, dass erst der US-Journalist Joe Klein die fundamentale Bedeutung der Begrüßungsgeste beschrieben hat, nämlich 1996 in seinem Buch „Primary Colours“. Der Roman beschreibt die Wahlkampagne eines amerikanischen Provinzpolitikers namens Jack Stanton.

Tatsächlich handelt es sich bei „Mit aller Macht“, so der deutsche Titel, um eine Dokumentation der Mechanismen amerikanischer Politik, und in Jack Stanton ist unverschleiert Bill Clinton zu erkennen, der Menschenfänger und zweifache Eroberer des Weißen Hauses.

Zurück zum Händeschütteln. Vielleicht kennt Donald Trump, aktuell Bewohner des Oval Office, das Buch – zugegeben eher unwahrscheinlich, Trump hat es bekanntlich nicht so mit dem Lesen von Texten, die länger als Twitter-Botschaften sind. Die politische Bedeutung des Handschlags hat er jedenfalls erkannt. Natürlich auf Trump-Art.

Während Clintons Begrüßungsritual dem Zweck diente, sein Gegenüber einzufangen und für sich ein-zunehmen, folgt der „Trumpshake“, wie die US-Journalisten das Begrüßungsritual getauft haben, den Prinzipien klassischer Kriegsstrategen: den Gegner unvorbereitet erwischen, ihn aus der Balance bringen, verunsichern und überrumpeln.

Das Gegenüber aus dem Gleichgewicht bringen

Trumps Standardbegrüßung: Die Hand des Gegenspielers mit hartem Griff fassen, dann mit kräftigem Ruck unerwartet in die eigene Richtung ziehen, um ihn körperlich und gedanklich aus dem Gleichgewicht bringen; eisern lächeln, während dem Opfer die Gesichtszüge entgleisen und es sich müht, seine Position wieder zu finden; währenddessen weiter die Hand umfasst halten und den Klammergriff erst lösen, wenn alle anderen Anwesenden beschämt wegschauen.

Zigfach haben TV-Kameras Trumps Begrüßungsattacken dokumentiert – bei Staatsgästen, politischen Freunden, seinem Vizepräsidenten. Bedauernswertestes Opfer eines präsidialen Handschlag-Anschlags: der japanische Premier Shinzo Abe, dem der US-Präsident beim Besuch Anfang Februar zudem die Hand tätschelte wie einem sabbernden Greis. 19 Sekunden dauerte es, bevor Trump die Hand des peinlich berührten Gastes freigab. Danach war klar, wer im Weißen Haus Koch ist und wer Kellner.

Aber wie es im Leben ist: Die anderen sind auch nicht blöd. Die Gäste des US-Präsidenten haben Strategien gefunden, wie sie die Handschüttel-Angriffe kontern können. Den Anfang machte Kanadas Premier Justin Trudeau. Bei seinem Antrittsbesuch im Weißen Haus konterte er den Trump-Ruck, indem er mit der freien Hand zum Oberarm des Gastgebers langte und auf diese Weise seinen eigenen Stand stabilisierte.

Macron ging zum Gegenangriff über

Zum offenen Gegenangriff ging der französische Präsident Emmanuel Macron über: Beim obligatorischen Begrüßungsritual nahm er Trumps Hand wie in die Schraubzwinge: Die Knöchel des Präsidenten traten weiß hervor, Trump wollte zurückziehen. Aber Macron ließ die Beute nicht los. Sechs lange Sekunden dauerte der Handflächenkontakt. Er habe sich „Respekt verschaffen“ wollen, sagte Macron später. Man müsse eben zeigen, dass man „keine kleinen Zugeständnisse macht, nicht einmal symbolisch“.

Bei Frauen hat der „Trumpshake“ übrigens von Anfang an nicht funktioniert. Beim Besuch der britischen Premierministerin Theresa May beließ es der US-Präsident beim ausdauernden Händchenhalten – „special relation-ship“ eben. Den Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Handkontakt vor laufenden Kameras ignorierte er schlicht – was die Kanzlerin mit einem belustigten Zucken der Mundwinkel kommentierte. Über Machtspielchen von Alphamännchen wie Trump kann sie offenbar nur lächeln.