Kommentar zur Rede Donald Trumps vor der UN

Cowboy auf der Bühne

US-Präsident Donald Trump spricht bei der UN-Generaldebatte der Vereinten Nationen.

US-Präsident Donald Trump spricht bei der UN-Generaldebatte der Vereinten Nationen.

US-Präsident Donald Trump hat mit seiner Brandrede vor der UN-Generalversammlung eine diplomatische Lösung der Konflikte mit Nordkorea und dem Iran erheblich erschwert, meint Dirk Hautkapp.

Donald Trump hat die UN-Generalversammlung als Plattform für Cowboy-hafte Drohungen genutzt. Den Anhängern des US-Präsidenten werden die martialisch-rhetorischen Angriffe auf Nordkorea und dem Iran gefallen haben. Das Heer der Diplomaten erfasste dagegen ein Schrecken. Hatte nicht schon George W. Bush ähnlich argumentiert, als er 2002 (damals noch mit dem Irak) die gleichen Länder auf der „Achse des Bösen“ verortete? Das Ergebnis ist bekannt.

Mit jeder Minute, die Trump nutzte, um Pjöngjang und Teheran maßlos im Ton als die Oberschurken zu brandmarken und ihnen bis zur „völligen Zerstörung“ Vergeltung anzudrohen, wurde der Widerspruch zu einem anderen Eckpfeiler seines Weltbilds deutlich: Nationale Souveränität, die Akzeptanz von Verschiedenheit, die Verpflichtung zur Nichteinmischung in auswärtige Angelegenheiten, laut Trump die höchsten Güter im Zusammenleben der Völker – all das hat Grenzen, wenn in Washington ein Mann die Notwendigkeit zum militärischen Eingreifen sieht.

Mit seiner bellizistisch geprägten Rede hat Trump auch das leidenschaftliche und besonnene Plädoyer von UN-Generalsekretär Antonio Guterres für eine diplomatische Lösung im Konflikt um Nordkorea zur Nullnummer gemacht. Der Spitzenfunktionär der Vereinten Nationen sieht die verhängten Sanktionen gegen Nordkorea als Einstieg in einen echten Dialog mit Pjöngjang. Danach sieht es nun noch weniger aus. In einen Krieg zu „schlafwandeln“, der verheerende Kettenreaktionen auslösen würde, ist jetzt in den Bereich des Möglichen gerückt.