Papstwahl

Bonner beten für Franziskus

BONN. Auf dem Balkon am Petersplatz stehend, bat Franziskus die Menschen in aller Welt, für ihn zu beten. Und das taten am Mittwochabend im Münster auch die Bonner. Mehrere Hundert sahen dort den ersten Auftritt des neuen Papstes. Gestern sprach der GA mit Geistlichen in Bonn.

Der Jesuitenorden sowie Vertreter der katholische und der evangelischen Kirche freuen sich über die Ernennung des Argentiniers Jorge Mario Bergoglio zum Pontifex.

  • Als eine große Ehre, aber auch als Herausforderung für den Jesuitenorden wertet Pater Johannes Siebner, Rektor am Aloisiuskolleg in Bad Godesberg, die Wahl seines argentinischen Ordensbruders Kardinal Jorge Mario Bergoglio zum neuen Papst. "Ich freue mich, dass angesichts weniger Wahlgänge wohl eine große Einigkeit unter den Kardinälen bestand und wir jetzt mit diesem neuen Papst neuen Schwung für die Kirche erwarten können."

    Die Namenswahl sei schon sehr aussagekräftig. Die Kirche habe zudem ein Zeichen gesetzt, mit Kardinal Bergoglio erstmals einen Südamerikaner in dieses hohe Amt zu bestellen. Faktisch beschere die Wahl dem Orden natürlich auch eine gesteigerte Aufmerksamkeit und fordere ihn gleichzeitig zum Nachdenken heraus. "Für Jesuiten ist es eigentlich untypisch, kirchliche Ämter zu bekleiden. Vielleicht ist diese Wahl dann auch eine Prüfung für uns", sagte Siebner. Die Folgen der Ernennung für den Orden seien letztlich noch nicht vorauszusehen. "Das soll die Freude aber nicht schmälern."
     
  • Der Bonner Stadtdechant, Monsignore Wilfried Schumacher, sah die Bekanntgabe des neuen Papstes am TV-Bildschirm im Münster (der GA berichtete). "Ich war überrascht und gleichzeitig hocherfreut", sagte Schuhmacher gestern zur Wahl und fügte hinzu: "Ein Kirchenmann aus Lateinamerika, ein Bischof mit der Option für die Armen, ein Papst mit dem Namen Franziskus - dies alles sind Zeichen der Hoffnung." Doch wirklich bekannt war ihm der Kardinal aus Buenos Aires nicht. Mit der Wahl Bergoglios hatte Schumacher nicht gerechnet. Dennoch wünscht sich der Seelsorger, "dass die Option für die Armen ein neues Handlungsprinzip für uns alle in der Kirche wird".

    Auch die Wahl eines nichteuropäischen Papstes freut den Stadtdechanten: "Es wird deutlich, dass die Kirche eine Weltkirche ist und ihr Mittelpunkt schon lange aus Europa hin zu anderen Kontinenten verschoben wurde. Gerade in Lateinamerika erleben wir vielerorts eine sehr lebendigen Kirche. Wir können viel von ihr lernen in unseren teils verstaubten und verkrusteten Strukturen im alten Europa."
     
  • Via Smartphone verfolgte Pfarrer Eckart Wüster die Wahl von Kardinal Bergoglio zum Papst. Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Bonn hatte um 19 Uhr am Mittwochabend noch einen wichtigen Termin, der sich nicht aufschieben ließ. Die Entscheidung der Kardinäle begrüßt Wüster. "Wir sind sehr gespannt, weil er zum einen aus Südamerika stammt, zum anderen erhoffen wir uns viel von ihm, zumal er sich diesen Namen ausgesucht hat."

    Schließlich stamme Franziskus von einem Kontinent, der geprägt sei von den Unterschieden der Ersten und Dritten Welt. "Er wird aufgrund seiner Herkunft andere Impulse geben", vermutet Wüster. Auch wirke es so, als ob sich die katholische Kirche durch die Wahl eines Nichteuropäers weiter öffne. Nun werde er aber erst mal abwarten. Schließlich brauche jeder Zeit, sich in ein solches Amt einzufinden. "Aber es wird auch beim neuen Papst Sachen geben, die wir nicht unterstützen."
     
  • Mit Freude und Begeisterung hätten die Godesberger Pfarrgemeinden die Wahl des neuen Papstes zur Kenntnis genommen, sagte Dechant Wolfgang Picken. "Papst Franziskus vermittelt eine väterliche Güte und wohltuende Bescheidenheit." Franziskus' Biografie verbinde zwei Kontinente.

    Die erste Wahl eines Nichteuropäers sei ein starkes Zeichen für die Internationalität der Kirche und ihren Aufbruchwillen. "Franziskus kommt vom Ende der Welt ins Herz der Kirche und wird uns im Geist Gottes in die Weite führen", sagte Picken. "Wir feierten gerade mit den Firmkandidaten einen Gottesdienst und beteten für die Wahl eines guten neuen Papstes, als uns die Glocken verkündeten: Habemus papam! Das werden besonders die Jugendlichen nie vergessen." Die katholischen Gemeinden laden nun alle Gläubigen zum Gebet ein. "Papst Franziskus hat nach seiner Wahl die Menschen gebeten, für ihn zu beten, damit er zum Segen für die Kirche werden kann."