Zeuge im Fall der Separatisten

Bonner "Felix" von Grünberg muss in Madrid aussagen

Bernhard "Felix" von Grünberg in seiner Wohnung.

Bernhard "Felix" von Grünberg in seiner Wohnung.

BONN/MADRID. Der Bonner SPD-Politiker Bernhard "Felix" von Grünberg sagt am Mittwoch im Prozess gegen die Anführer des katalanischen Unabhängigkeits-Referendums als erster Ausländer vor dem obersten Gerichtshof in Madrid aus.

Im Prozess gegen die Anführer des katalanischen Unabhängigkeits-Referendums in Madrid gibt es eine Besonderheit: Der Bonner SPD-Politiker Bernhard "Felix" von Grünberg soll am Mittwochmorgen als erster Ausländer und wahrscheinlich einziger Deutscher vor dem obersten Gerichtshof aussagen. Aufseiten der Verteidigung soll er als Zeuge zum Vorwurf der Veruntreuung öffentlicher Gelder Stellung beziehen. "Die Zivilgesellschaft ist selbst für die Kosten des Referendums damals aufgekommen und auch meine Aufwandskosten als politischer Beobachter habe ich bezahlt", sagte der 73-Jährige dem GA. "Das werde ich im Prozess aussagen."

Zwölf ehemalige Mitstreiter des in Belgien im Exil lebenden ehemaligen katalanischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont müssen sich seit Mitte Februar wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen vor dem Obersten Gericht in Madrid verantworten. Der Gruppe um den früheren Puigdemont-Vize Oriol Junqueras wird neben Veruntreuung unter anderem Rebellion zur Last gelegt.

Den Vorwurf der Rebellion sieht von Grünberg ebenfalls nicht erfüllt. Für den ehemaligen Landtagsabgeordneten ist ein juristisches Verfahren ohnehin der falsche Weg. "Statt die eigentlichen Probleme politisch zu lösen, wird eine Gerichtsverhandlung öffentlich zur Schau gestellt. Das lässt die Emotionen hochkochen, obwohl die vorgeworfenen Straftatbestände gar nicht erfüllt sind", sagt von Grünberg. "Ich sehe auch in einer Unabhängigkeit Kataloniens kein Heilmittel. Es muss eine demokratische Lösung her, womit die eigentlichen Ursachen bekämpft werden können." Die Katalanen fühlten sich von der spanischen Regierung nicht beachtet. Als Lösung könnte er sich daher ein föderales System vorstellen.

Seine Verbundenheit zu Katalonien sei aus mehreren Einladungen durch das Public Diplomacy Council von Katalonien (Diplocat) entstanden, sagt von Grünberg - einem öffentlich-privaten Konsortium, das ein internationales Bewusstsein für die Region schaffe. Von Grünberg war 2014, 2015 und 2017 als politischer Beobachter vor Ort eingeladen. Er sieht sich als Vermittler zwischen katalanischer Regional- und spanischer Zentralregierung.