Kommentar zur Russland-Affäre

Zeitbombe

Donald Trump Jr..

Donald Trump Jr..

Für Trump Senior ist das ebenso dilettantische wie unverfrorene Gebaren seines Zöglings wie eine Zeitbombe, kommentiert GA-Korrespondent Dirk Hautkapp.

Abstreiten. Die Medien in den Senkel stellen. Ablenkungsmanöver starten, um die lästigen Schlagzeilen zu verdrängen: Seit einer gefühlten Ewigkeit verfährt die Regierung von US-Präsident Donald Trump (und vorher dessen Wahlkampfteam) nun schon nach diesem Strickmuster, wenn in der wie eine Dauergewitterwolke über Washington hängenden Russland-Affäre neue Puzzleteile auf den Tisch kommen. Die amerikanische Öffentlichkeit hat sich beinahe daran gewöhnt. Zuletzt waren sogar Abstumpfungseffekte zu beobachten. Perdu.

Der Erstgeborene des mächtigsten Mannes der Welt, Donald Trump Jr., ist auf die Bühne getreten. Und plötzlich regiert im Weißen Haus die nackte Angst. Von einem „Hurrikan der Kategorie 5“ schwadronieren Präsidentenberater, seit bekannt geworden ist, dass aus ausführlicher digitaler Post von Großwildjäger Trump Jr. unzweifelhaft hervorgeht, dass die Wahlkampfkampagne des New Yorker Milliardärs bereit und willens war, russische Schützenhilfe anzunehmen, um die demokratische Rivalin Hillary Clinton „sturmreif“ zu schießen. Dass sich die „Beute“ am Ende offenbar als ungenießbar erwies, tut wenig zur Sache.

Für Trump Senior ist das ebenso dilettantische wie unverfrorene Gebaren seines Zöglings wie eine Zeitbombe. Wenn sich herausstellen sollte, dass der Sohn den Vater über das Angebot aus Moskau und den mageren Ertrag unterrichtet hat (alles andere spräche gegen den Charakter der Beteiligten), wäre Trump seiner bisher größten Lüge überführt und auf Dauer seines Amtes wohl nicht mehr sicher.