Gefahr durch Bewuchs an Bahnstrecken Zahl der Böschungsbrände in Deutschland nimmt stark zu

Ein ICE steuert auf Siegburg zu, die Strecke ist gesäumt von Pflanzen. Gerade in den heißen Sommermonaten bergen diese Gefahr für Brände.

Bereits bis Ende Juli gab es in Deutschland deutlich mehr Fälle von Feuern entlang von Bahnstrecken als im gesamten vergangenen Jahr. Beim Rückschnitt von Sträuchern muss sich die Bahn an klare Regeln halten.

Die Deutsche Bahn hat im laufenden Jahr bereits mehr gefährliche Böschungsbrände an ihren Strecken registriert als im gesamten Vorjahr. Bis Ende Juli verzeichnete die Bahn in diesem Jahr schon 468 Böschungsbrände, wie aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Grünen-Anfrage hervorgeht. Im gesamten Vorjahr gab es dagegen nur 362 Böschungsbrände an Bahnstrecken. Auch 2016 zählte die Bahn nur 364 solcher Brände. Im Jahr 2015 gab es 483 und im Jahr davor 382 Böschungsbrände.

In Siegburg war am Dienstag entlang der Bahnstrecke zwischen Köln und Frankfurt am Main ein verheerender Böschungsbrand ausgebrochen. Das Feuer wuchs in trockenen Hecken sehr schnell und breitete sich auch auf angrenzende Häuser aus. Insgesamt wurden 32 Menschen verletzt, weitere 60 waren direkt von den Bränden betroffen, die die Feuerwehr am Nachmittag unter Kontrolle brachte (siehe auch nächste Seite). Der Zugverkehr war stundenlang lahmgelegt.

Herausforderung durch Klimawandel

Die genauen Brandursachen in Siegburg sind noch immer unklar. Fest steht jedoch, dass die große Trockenheit und die Hitze Böschungsbrände begünstigen. „Gefahrenquellen ergeben sich unter anderem aus technischen Defekten wie dem Funkenschlag beim Bremsen, weggeworfenen brennenden Zigaretten sowie Abfall im Randbereich (wie Glasscherben, die wie Brennglas wirken)“, so das Verkehrsministerium in seiner Antwort. „Lang anhaltende Hitzeperioden und die damit verbundene extreme Trockenheit erhöhen die Brandgefahr“, heißt es in der Antwort.

„Die massive Zunahme der Böschungsbrände zeigt die Herausforderungen, die sich für komplexe Infrastrukturen wie dem Schienennetz unter den Bedingungen des Klimawandels ergeben“, sagte der Grünen-Politiker Matthias Gastel. „Es ist in gewisser Weise tragisch, dass das klimafreundlichste Verkehrsmittel durch die Auswirkungen des Klimawandels besonders betroffen ist“, ergänzte er.

„Die DB ist durch den Klimawandel herausgefordert, ihre Infrastruktur möglichst so zu rüsten, dass sie auch unter widrigen Umständen möglichst betriebsbereit bleibt.“ Zur Klimaanpassungsstrategie gehöre „zwangsläufig auch der Rückschnitt von Bäumen und Sträuchern entlang von Eisenbahnstrecken“.

Durch den Bewuchs auf den Böschungen können sich Brände besonders schnell ausbreiten. „Das sind ja oft steile Böschungen, sodass das Feuer dann leicht von unten nach oben klettern kann“, sagte der Landesgeschäftsführer des Verbands der Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen, Christoph Schöneborn. Wie schnell sich ein Böschungsbrand löschen lasse, hänge davon ab, „wie schnell das Feuer gemeldet wird und wie gut die Stelle zugänglich ist“. Davon, Pflanzenbewuchs entlang von Bahntrassen wegen der Brandgefahr zu entfernen, hält Schöneborn nichts: „Es macht keinen Sinn, alle Böschungen durch Betonwände zu ersetzen, nur weil es theoretisch brennen könnte. Das wäre völlig übertrieben.“

Arbeiten sollen bis Donnerstagnacht beendet sein

Außerdem grenzt der Bewuchs nicht unmittelbar an die Bahnschienen, da diese laut der Deutschen Bahn in einem Abstand von sechs Metern bodentief von Sträuchern oder Hecken freigehalten werden. Beim Rückschnitt der Pflanzen muss sich die Bahn an die Richtlinien des Natur- und Artenschutzes halten, weshalb größere Arbeiten nur zwischen Oktober und Februar erlaubt sind, um etwa brütende Vögel nicht zu beeinträchtigen.

Auf dem vom Brand betroffenen Streckenabschnitt sollen die Reparaturarbeiten voraussichtlich bis Donnerstagnacht abgeschlossen sein, wie die Bahn mitteilte. Derzeit finden unter anderem Arbeiten an der Oberleitung statt, die auf einer Länge von rund 350 Metern beim Brand beschädigt worden ist.

Nachdem der Fernverkehr bereits seit Betriebsbeginn am Mittwoch wieder nach Fahrplan lief, soll am Freitag auch der Nahverkehr auf der Strecke wieder rollen.

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