Kommentar zu Sigmar Gabriel

Wo es wehtut

Sigmar Gabriel (SPD) wechselt in die Wirtschaft.

Sigmar Gabriel (SPD) wechselt in die Wirtschaft.

Gabriel übernimmt offensichtlich keinen Versorgungsposten, sondern bleibt sich treu. Er geht auch dorthin, wo es wenig zu gewinnen gibt, kommentiert Helge Matthiesen.

Das Projekt ist gewaltig, seine Umstände sind kompliziert: Siemens und Alstom wollen ihre Bahnsparten fusionieren. Die einst erbitterten Konkurrenten sehen nur noch gemeinsam eine Zukunft auf den internationalen Märkten, die zunehmend von chinesischen Unternehmen erobert werden. Tausende von Arbeitsplätzen in Europa stehen auf dem Spiel. Das Vorbild dieser Fusion ist Airbus. Deutschland und Frankreich haben hier gemeinsam Industriepolitik betrieben und waren damit am Ende sehr erfolgreich. Damals ging es gegen die schier übermächtige Konkurrenz aus den USA.

Es wäre eine Überraschung, wenn die Fusion ohne Friktionen über die Bühne ginge. Auch hier zeigt das Beispiel Airbus, wie kompliziert es ist, zwischen der Politik in mehreren Staaten und den Erfordernissen des Marktes zu vermitteln. Auseinandersetzungen um die Verteilung der Produktion und die Führung des Unternehmens gab es immer wieder. Bei Alstom und Siemens ist zunächst kaum mit Ruhm und Ehre zu rechnen. Im Gegenteil: Die Konflikte sind absehbar.

Es ist daher eine gute Idee, einen gestandenen Politiker mit der Flankierung des Projekts zu beauftragen. Sigmar Gabriel genießt Vertrauen und verfügt über die nötigen Kontakte. Das kann helfen. Dass er sich demonstrativ an die geforderte Karenzzeit zwischen Politik und Arbeit in der Wirtschaft hält, spricht für ihn und unterscheidet ihn positiv von früheren Fällen. Gabriel übernimmt offensichtlich keinen Versorgungsposten, sondern bleibt sich treu. Er geht auch dorthin, wo es wenig zu gewinnen gibt.