50. Jahrestag des Elysée-Vertrags

Westerwelles Anleihe an de Gaulle

Bonn.  Der Außenminister nennt die deutsch-französische Freundschaft das kostbarste Juwel im europäischen Schatz.
Buchvorstellung: Norman Haß, Guido Westerwelle und Armin Fuhrer (von links).
								Foto: Barbara Frommann
Buchvorstellung: Norman Haß, Guido Westerwelle und Armin Fuhrer (von links). Foto: Barbara Frommann

Als Charles de Gaulle im September 1962 seine berühmte Rede auf dem Bonner Marktplatz hielt, beschloss er diese mit dem Satz "Es lebe die deutsch-französische Freundschaft." Guido Westerwelle war damals nicht einmal ein Jahr alt. Am Freitag aber nahm der Bundesaußenminister eine Anleihe an dem damaligen französischen Staatspräsidenten und beendete seine Rede im Haus der Geschichte mit eben jenem Satz.

Eigentlich sollte er ja nur wenige Minuten zur Vorstellung des Buches "Eine Freundschaft für Europa. Der lange Weg zum Elysée-Vertrag" (Olzog Verlag, 29,90 Euro) von Armin Fuhrer und Norman Haß sprechen, doch Westerwelle nutzte seinen Beitrag, um wenige Tage vor dem 50. Jahrestag des Elysée-Vertrags Grundsätzliches zu Deutschland, Frankreich und Europa zu sagen.

Der Außenminister nannte die Freundschaft "das kostbarste Juwel im europäischen Schatz". Mit einem persönlichen Beispiel erinnerte er daran, dass noch in den 70er Jahren große Ressentiments gegenüber Deutschen bestanden hätten. Bei einem Zelturlaub in der Bretagne als 14/15-Jähriger habe ihm und einigen anderen Jugendlichen eine ältere Frau nichts verkaufen wollen, sondern sei aus dem Laden gegangen und habe geweint.

Die Tochter habe ihnen erklärt: "Jungs, das gilt nicht Euch, ihr Mann ist von Deutschen im Zweiten Weltkrieg getötet worden." An die jungen Erwachsenen im Saal gerichtet, sagte Westerwelle: "Nehmt die Freundschaft nicht als selbstverständlich hin." Regierungen kämen und gingen, aber die Freundschaft der Völker bleibe. Gerade das Jubiläum sollte nach Meinung Westerwelles genutzt werden, "um deutlich zu machen, wie wichtig uns unser europäisches Lebensmodell ist".

Die künftigen Kraftzentren der Welt lägen in China, Indien, Brasilien oder Nigeria. "Da reicht es nicht mehr, die EU als Antwort auf das dunkelste Kapitel Europas darzustellen. Wir müssen uns in einer Welt des Wandels als Kulturgemeinschaft behaupten." Und hierfür könnten Deutschland und Frankreich einiges tun.

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