Gastbeitrag zu Cop23

Warum der Klimagipfel in Bonn wichtig ist

Bonn. Mehr als 20.000 Teilnehmer werden kommende Woche zur Cop23 erwartet. Die Konferenz ist ein wichtiger Meilenstein im Prozess nach dem Pariser Klimaabkommen. Worüber die Delegierten verhandeln und was auf dem Gipfel geschieht.

In wenigen Tagen werden mehr als 20.000 Teilnehmer aus aller Welt zur UN-Klimakonferenz Cop23 nach Bonn kommen. Das ist ein Anlass zum Feiern – aber auch ein Anlass, uns noch einmal bewusst zu werden, wie dringend Eile im Kampf gegen den Klimawandel geboten ist.

Die Cop23 ist ein Grund zum Feiern, weil die Welt zwei Jahre nach der Verabschiedung des historischen Klimaabkommens von Paris tatsächlich in Schwung kommt, um sich der größten Bedrohung dieser und künftiger Generationen entgegenzustellen. Aktuell haben 170 Beteiligte oder Länder das Abkommen ratifiziert – noch nie hat es ein derartiges Tempo und Ausmaß an Unterstützung gegeben.

Die Cop23 führt uns aber auch die Dringlichkeit vor Augen: Die Zeit, die wir noch haben, um eine sichere und bessere Zukunft zu gestalten, verrinnt mit jedem Jahr schneller. 2016 war das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, und auch der Meeresspiegel ist rekordverdächtig angestiegen. Die Arktis war so wenig mit Meereis bedeckt, wie noch nie seit Beginn der Satellitenaufzeichnung Ende der 1970er Jahre.

Kampf gegen Klimawandel gewinnt an Dringlichkeit

Zudem haben extreme Wetterereignisse in der jüngsten Vergangenheit Elend und Zerstörung über die Karibik, Asien und Nord-, Mittel- und Südamerika gebracht – und damit verdeutlicht, wie groß die Risiken sind, die wir alle eingehen, und in welchem Ausmaß diese weiter wachsen. So hat sich die Zahl der Waldbrände in Europa mehr als verdoppelt. Wissenschaftler warnen, dass bald noch mehr Länder betroffen sein könnten – auch Deutschland.

Der Kampf gegen den Klimawandel gewinnt mit der Cop23-Präsidentschaft von Fidschi noch mehr an Dringlichkeit. Im vergangenen Jahr wurde der pazifische Inselstaat ebenso wie Vanuatu, Tonga und Teile Australiens vom tropischen Zyklon „Winston“ getroffen – dem ersten Kategorie-5-Zyklon in der südlichen Hemisphäre.

 

Das Klimaabkommen von Paris zeigt deutlich auf, was getan werden muss: Der globale Temperaturanstieg in diesem Jahrhundert muss deutlich unter zwei Grad Celsius bleiben, am besten unter 1,5 Grad. Das klingt nach wenig – und es ist manchmal nicht leicht zu erkennen, warum Veränderungen um wenige Grad so folgenreich sein können.

Doch selbst eine vermeintlich geringe Erderwärmung kann darüber entscheiden, ob es künftig auf der Welt noch Korallenriffe gibt oder nicht. Oder ob die Arktis im Sommer eisfrei sein wird. In aktuellen Berechnungen könnten die Temperaturen in diesem Jahrhundert um drei, vier, fünf oder mehr Grad ansteigen. Für den menschlichen Körper können solche wenige Grad den Unterschied ausmachen, ob man mit erhöhter Temperatur einen Tag das Bett hütet oder zwischen Leben und Tod schwebt.

Das Gleichgewicht auf dem Planenten wieder herstellen

Um die im Pariser Klimaabkommen festgelegten Ziele zu erreichen, müssen nun drei Dinge geschehen: Erstens muss jetzt oder zumindest möglichst bald der Höchststand globalen Treibhausgas-Ausstoßes erreicht sein. Ein vielversprechendes Anzeichen: Laut Internationaler Energie-Agentur sind die energiebezogenen Kohlendioxid-Emissionen im dritten Jahr in Folge nicht gestiegen. Und das, obwohl die globale Wirtschaft weiter gewachsen ist.

Zweitens müssen nationale Regierungen, unterstützt von Bürgern, Unternehmern, Kommunal- und Regionalregierungen, die Dekarbonisierung der globalen Wirtschaft angehen. Das bedeutet das Ziel, den Ausstoß von Treibhausgasen auf null zu senken.

 

Drittens müssen CO2-Emissionen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts so niedrig sein, dass sie leicht von Wäldern, Böden und Küstensystemen wie zum Beispiel Mangroven – unserer natürlichen „Infrastruktur“ gewissermaßen – absorbiert werden können. Darüber hinaus muss die Technologie Fortschritte machen. Es geht um nichts weniger als die Wiederherstellung des Gleichgewichts des Planeten Erde wie zu Zeiten vor der industriellen Revolution – jedoch in einer Kulisse des 21. Jahrhunderts mit sauberer und grüner Energie.

Wie also kann die Cop23 in Bonn zu diesem Langzeit-Ziel beitragen und gleichzeitig die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen unterstützen? Im Vorfeld der Klimakonferenz von Paris hat fast jedes Land eigene Klimaschutzpläne festgelegt, so genannte national festgelegte Beiträge, auf Englisch „Nationally Determined Contributions“ (NDCs). Darin steht, wie die einzelnen Länder ihre jeweils gesetzten Ziele erreichen wollen. Viele Entwicklungsländer skizzieren zudem, wie sie – die nötige Unterstützung vorausgesetzt – noch mehr erreichen können und gleichzeitig eine Wirtschaft aufbauen können, die für die Klimaveränderungen besser gerüstet ist.

All diese Pläne sind in ihrer Gesamtheit zwar besser als alles, was vor Paris auf den Tisch gelegt worden war. Jedoch reichen sie – bis jetzt – nicht aus, um den Temperaturanstieg deutlich unterhalb von zwei Grad zu halten. In Bonn werden Regierungen nun die ersten Schritte einleiten um einzuschätzen, wie viel bereits erreicht ist, und wie viel noch zu tun bleibt, um die Ziele zu erreichen.

Cop23 in Bonn soll Festival der Ideen werden

Das Paris-Abkommen benötigt außerdem eine Art Bedienungsanleitung, damit sein Versprechen und sein Potenzial vollständig in die Realität umgesetzt werden können. Das muss man sich vorstellen wie einen glänzenden, neuen Laptop – mit viel Speicher, Luxus-Kameras und Surround-Sound-Systemen. Doch was noch fehlt, ist ein leicht verständliches und klar formuliertes Handbuch, das einem sagt, wie man das meiste aus dem neuen Rechner herausholen kann. Alle Beteiligten benötigen ein solches Handbuch – ein klar strukturiertes System zur Kontrolle, Berichterstattung und Überprüfung untermauert das Abkommen, damit alle sicher sein können, dass den Worten Taten folgen. Bis zur nächsten Weltklimakonferenz im kommenden Jahr in Polen soll dieses Handbuch vervollständigt werden. Damit diese Frist eingehalten werden kann, müssen jetzt in Bonn echte Fortschritte erzielt werden.

Außerdem werden während der zweiwöchigen Verhandlungen in der Bundesstadt auch Finanzierungsfragen eine wichtige Rolle spielen. Reiche Länder haben den Ärmeren bis 2020 pro Jahr 100 Milliarden Dollar versprochen – und viele werden danach fragen, inwieweit diese Zusagen konkretisiert werden. Zudem müssen auch Wege gefunden werden, damit die vielen Billionen Dollar, die derzeit in nicht nachhaltigen, umweltschädlichen Projekten stecken, schneller in eine neue, grüne und saubere globale Wirtschaft fließen können. Zentralbanken und Finanzaufseher müssen klimabezogene Risiken besser einpreisen und langfristige Investitionen statt Kurzsichtigkeit fördern.

Die Cop23 in Bonn wird nicht zuletzt ein riesiges Festival inspirierender Ideen werden – mit Kommunalpolitikern, Firmenchefs, Investoren und Vertretern der Zivilgesellschaft, die ihre Ergebnisse in puncto Klimaschutz vorzeigen und sich zu weiteren verpflichten wollen. Zudem gibt es Hunderte Kulturveranstaltungen auf dem Konferenzgelände und in der Stadt.

Bonn ist nicht der Anfang der Klima-Geschichte, die begann schon vor 25 Jahren. 2015 bekam sie dann mit Paris einen immensen Schub. Bonn ist auch nicht das Ende der Reise, das liegt noch mindestens 40 Jahre in der Zukunft. Doch die Cop23 muss sich gewahr sein, dass die Zukunft dieser und folgender Generationen mit von den Entscheidungen abhängen, die in Bonn getroffen werden – und sie muss ihren Teil dazu beitragen, den Klimaschutz gemeinsam, schneller und weiter voranzubringen.