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Merkel bei Monti in Rom
Von frostiger Atmosphäre keine Spur
Von Julius Müller-Meiningen
Rom. Ein wenig wirkte es, als hätte es Brüssel mit seinen staubigen Büros und seiner trockenen Diplomatie nie gegeben. Gerade einmal fünf Tage waren seit dem umkämpften Gipfel in der europäischen Hauptstadt vergangen.
Auftritt in der Ewigen Stadt: Angela Merkel auf der Pressekonferenz mit Premierminister Mario Monti. Foto: ap
Statt in niedrigen Gängen im Kellergeschoss des Brüsseler Ratsgebäudes und bei Neonlicht trafen die beiden Akteure nun am Mittwochnachmittag bei brütender Hitze und in nahezu paradiesischer Umgebung in der römischen Villa Madama am Stadtrand zusammen.
Die Grillen zirpten an den Hängen des Monte Mario in Rom, Zypressen spendeten Schatten in der Sommerhitze. Wer auf Anzeichen von Spannungen zwischen Italiens Ministerpräsident Mario Monti und Bundeskanzlerin Angela Merkel nach den heftigen Auseinandersetzungen beim EU-Gipfel in Brüssel suchte, wurde enttäuscht.
Die Pressekonferenz anlässlich der deutsch-italienischen Regierungskonsultationen im graziösen Salotto d'Angolo, einem Ecksaal der Villa, war ganz auf Harmonie ausgelegt. Ein Schäferidyll-Gemälde zierte die Wand im Rücken von Monti und Merkel, in vergleichbarer Harmlosigkeit traten die beiden Regierungschefs an die Öffentlichkeit.
Von Krise oder gar frostiger Atmosphäre wie noch vor Tagen war keine Spur. Dieses Bild sollten zumindest die Beobachter bekommen. "Mir ist es bis jetzt immer gelungen, mit Mario Monti eine Einigung zu finden, die in der Sache gut ist", sagte Merkel auf die Frage nach den offen zu Tage getretenen Differenzen in Brüssel. Monti ließ sich dort mit einem diplomatischen Trick zusichern, dass Italien und andere Länder, die unter großem Druck der Finanzmärkte stehen, leichter an das Geld des Eurorettungsfonds gelangen und sich dadurch möglicherweise die erdrückenden Zinsen senken lassen.
Dies hatte Merkel zuvor noch ausgeschlossen. Die Bundesregierung interpretierte den absichtlich vage formulierten Gipfelbeschluss offener. Von diesem drängenden Thema war in Rom nicht die Rede, zumindest öffentlich. Auch der Ministerpräsident lobte in Rom die angeblich fruchtbare Zusammenarbeit der beiden. "Angela, danke für diesen Besuch in Rom", schloss Monti sein Statement an die Kanzlerin gewendet und betont freundschaftlich ab.
Die Bundeskanzlerin gab sich als höflicher Gast und zeigte sich erfreut über diesen "wunderschönen Ort", an dem die Beratungen stattfanden. Sie habe versucht, die mit Fresken verzierte Decke anzublicken. "Aber ich muss aufpassen, dass so ein Bild später nicht missbraucht wird", sagte sie. Etwa als Bild der Kanzlerin, die gelangweilt oder missmutig zur Decke blickt, weil sie mit Monti nicht einer Meinung sei. Die Vorsicht Merkels war der einzige sichtbare Hinweis darauf, dass in der Beziehung der beiden Länder zuletzt nicht alles so reibungslos funktioniert wie erwünscht.
Artikel vom 05.07.2012
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