Porträt Markus Löning: "Versuch' es mit Religion" | GA-Bonn

Porträt Markus Löning

"Versuch' es mit Religion"

Berlin.  Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, hat Ärger mit Kirchenführern. Der 52-jährige war völlig überraschend in das Amt gekommen. In den zwei Jahren als Menschenrechtsbeauftragter aber hat Löning viele, die an seiner Eignung zweifelten, überzeugt.

Er nimmt kein Blatt vor den Mund: Markus Löning. Foto: dpa

Eigentlich schwört Markus Löning auf Facebook. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung sieht darin ein ganz praktisches Arbeitsinstrument: "Es ermöglicht mir, ein Netzwerk von Kontakten mit Dissidenten aufrechtzuerhalten", das es vor Internet und Facebook so nicht gab. Seit einigen Wochen hat der frühere Berliner FDP-Chef und Ex-Bundestagsabgeordnete auch die negativen Seiten des Netzwerkes kennengelernt. Da hatte ihm ein "Freund" aus der virtuellen Netzgemeinde einen Spruch auf die Seite gestellt: "Too stupid to understand science - Try religion!" (Zu dumm, die Wissenschaft zu verstehen - versuch' es mit Religion!).

So stellt es jedenfalls das Auswärtige Amt dar und entschuldigt Löning: Er sei nicht der Autor gewesen. Trotzdem brachte ihm der Satz Kritik von kirchlichen Würdenträgern ein. Noch am Freitag setzte der oberste katholische Glaubenshüter, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, nach. Er warf Löning "schreiendes Fehlverhalten" vor. "Ein Menschenrechtsbeauftrager verletzt die Menschenwürde gläubiger Menschen."

Löning hat den Satz schnell von seiner Facebook-Seite genommen. Das Auswärtige Amt, dessen Chef Guido Westerwelle seinen Parteifreund 2010 in das Amt hievte, zog den Menschenrechtsbeauftragten aus der Schusslinie. Er habe gerade erst das Kloster Mor in der Türkei besucht "und sich auch gegenüber der türkischen Regierung nachdrücklich für den Schutz der christlichen Minderheit im Land eingesetzt."

Der 52-jährige war völlig überraschend in das Amt gekommen. Lönings Politikkarriere schien vorbei, nachdem er den parteiinternen Machtkampf um einen Listenplatz für die Bundestagswahl verloren hatte und auch als Berliner Landesvorsitzender der FDP ausgeschieden war.

Vorausgegangen war ein jahrelanges Ringen zwischen Herausforderer Martin Lindner und Löning um die Frage, wer das Sagen in der Berliner FDP haben sollte. Zwei Männer, zwei Stile: Hier der zurückhaltende, ruhige Löning, dort der laute, vor populistischen Tönen nicht zurückschreckende Lindner.

In den zwei Jahren als Menschenrechtsbeauftragter aber hat Löning viele, die an seiner Eignung zweifelten, überzeugt. Dazu gehörten Amnesty International und Grünen-Politiker. Dabei war der Politologe und einstige Inhaber einer Werbeagentur selbst Gründungsmitglied der Grünen, bevor er zur FDP wechselte. In der Bundestagsfraktion war Löning immerhin über Jahre für Europapolitik und Entwicklungsarbeit zuständig gewesen.

Er nimmt kein Blatt vor den Mund, hat Gerhard Schröder für seine wohlwollenden Worte über Freund Wladimir Putin spöttisch einen "lupenreinen Zyniker" genannt, hat sich bei den Mächtigen in Aserbaidschan vor dem "Eurovision Song Contest" unbeliebt gemacht, setzte sich für die Freilassung Julia Timoschenkos in der Ukraine ein und warb für die Aufnahme tausender nordafrikanischer Flüchtlinge, was dem CSU-Innenminister missfiel. Löning störte es nicht. Er kennt unerfreulichere Zusammenstöße.

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