Kommentar zu den Unruhen am Tempelberg

Unter dem Brennglas

Ein israelischer Polizist überprüft einen muslimischen Mann auf einer Straße auf dem Weg zum Tempelberg in Jerusalem.

Ein israelischer Polizist überprüft einen muslimischen Mann auf einer Straße auf dem Weg zum Tempelberg in Jerusalem.

Bonn. Jede Nachricht über den Bau einer weiteren jüdischen Siedlung auf besetztem Gebiet gibt der Verbitterung neue Nahrung, kommentiert GA-Redakteur Kai Pfundt.

Wie unter einem Brennglas konzentriert sich der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern am Tempelberg, der für Juden und Muslim heiligen Stätte in Jerusalem: Die politische Auseinandersetzung, der Streit der Weltreligionen, der Kampf um jeden Quadratzentimeter Territorium des sogenannten Heiligen Landes. Wenn es hier ruhig ist, dann gespannt und vorübergehend, die Ruhe vor dem nächsten Sturm. Es braucht nicht viel am Tempelberg, sie in blutige Gewalt umschlagen zu lassen.

Dass die Installation von Metalldetektoren an den Zugängen zum Heiligtum durch die israelischen Behörden und das Betretungsverbot für Männer unter 50 eine Reaktion nach sich ziehen würden, wird den Verantwortlichen um Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bewusst gewesen sein. Erst die Ermordung von zwei israelischen Polizisten, nun die Toten und Verletzten bei den Unruhen nach dem Freitagsgebet – es ist der in der Region immer und immer wieder zu beobachtende Zirkel von Tat und Reaktion, der seit Jahrzehnten jede dauerhafte Befriedung verhindert.

Dabei wird die Wahrscheinlichkeit von Gewaltausbrüchen größer, je länger die Palästinenser ihre Hoffnungen auf einen eigenen Staat enttäuscht sehen, je länger der für sie demütigende Status quo bestehen bleibt. Jede Nachricht über den Bau einer weiteren jüdischen Siedlung auf besetztem Gebiet gibt der Verbitterung neue Nahrung. Und der von US-Präsident Donald Trump versprochene neue Anlauf für eine Lösung des Konflikts? Heiße Luft, wie so vieles bei dieser US-Regierung.