Kommentar zur Abstimmung über die Rundfunkgebühren in der Schweiz

Unabhängigkeit

Erleichterung bei der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft: Die Fernseh- und Rundfunk-Gebühren werden nicht abgeschafft.

Erleichterung bei der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft: Die Fernseh- und Rundfunk-Gebühren werden nicht abgeschafft.

Bonn. Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) kann weiter das tun, was für die Demokratie und die Meinungsbildung so wichtig ist: unabhängig berichten – und das auch noch in allen Landessprachen, kommentiert Daniela Greulich.

Die Schweizer haben sich bei der Volksabstimmung klar gegen die Abschaffung der Rundfunkgebühren ausgesprochen. Damit kann die überwiegend gebührenfinanzierte Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) weiter senden. Mit mehr als 70 Prozent fiel das Ja der Eidgenossen zum bisherigen System deutlich aus.

2019 soll der bislang zu zahlende happige jährliche Betrag von umgerechnet 390 Euro auf 316 Euro sinken – in Deutschland etwa werden nur 210 Euro fällig. Zudem kündigten die Programmmacher bereits umfangreiche Sparrunden und Reformen an. Das zeigt: Die Verantwortlichen tragen den leidenschaftlichen Debatten im Vorfeld Rechnung und haben erkannt, dass sie sich verändern müssen, um erfolgreich und weiter geschätzt zu bleiben.

Es ist gut, dass die SRG sich hinterfragt. Das muss auch so bleiben. Aber sie kann weiter das tun, was für die Demokratie und die Meinungsbildung so wichtig ist: unabhängig berichten – und das auch noch in allen Landessprachen. Für kommerzielle Sender wäre das kaum lukrativ. Denn sie müssen etwas tun, was die SRG nur marginal muss: mit ihrem Programm Geld verdienen. Das öffnet Lobbyisten Tür und Tor.

Die schweizerischen öffentlich-rechtlichen Journalisten können nun weiter brisante Themen sorgfältig ohne Druck recherchieren. Sie können Hintergründe liefern, die keine Quotenrekorde versprechen, aber wichtig sind. Sie können den Mächtigen auf die Finger schauen, wie es ihre Aufgabe als vierte Gewalt ist. Das ist mit ARD, ZDF und ihren Tochtersendern in Deutschland nicht anders.