Kommentar zum Missbrauch in der katholischen Kirche

Umdenken nötig

Ein Schild mit der Aufschrift "Beichtgelegenheit" hängt an einem Baum. Foto: dpa

Ein Schild mit der Aufschrift "Beichtgelegenheit" hängt an einem Baum. Foto: dpa

Rom. Rom. Die Deutsche Bischofskonferenz präsentiert eine Studie zum sexuellen Missbrauch. Von wirklichen Befreiungsschlägen ist die Kirche aber noch weit entfernt, so unser Autor.

Auf den ersten Blick sollten es wohl Befreiungsschläge sein. Papst Franziskus lädt für den kommenden Februar die Leiter aller katholischen Bischofskonferenzen zu einer Konferenz in den Vatikan ein. Und die Deutsche Bischofskonferenz will eine Studie zum sexuellen Missbrauch präsentieren, deren katastrophale Ergebnisse bereits von einigen Medien veröffentlicht wurden.

Doch auf den zweiten Blick zeigt sich, dass die katholische Kirche von wirklichen Befreiungsschlägen noch sehr weit entfernt ist. Denn in der Kirche braucht es ein Umdenken, einen Perspektivwechsel im Umgang mit dem sexuellen Missbrauch. Und davon scheint man noch immer sehr weit entfernt zu sein, zumindest auf der Ebene der Weltkirche. Das zeigt der Skandal in den USA, doch auch die Ergebnisse der Studie der deutschen Bischöfe deuten in diese Richtung.

Denn ja, auch in der katholischen Kirche ist in Sachen Missbrauch in den vergangenen Jahren viel geschehen. Auch und gerade in Deutschland, auch und gerade im Bereich der Prävention. Aber noch immer werden Bischöfe und Generalvikare, die Missbrauchstäter aus brüderlichem Mitgefühl gedeckt und nicht der staatlichen Strafverfolgung zugeführt haben, nicht als das behandelt, was sie in Wirklichkeit sind: Mittäter, deren Schuld nicht viel geringer ist, als die der eigentlichen Verbrecher.

Und noch immer werden Opfer oft nicht so behandelt, wie sie es angesichts ihres Leids eigentlich verdient hätten. Erst wenn hier auf allen Ebenen ein grundlegender Bewusstseinswandel eingetreten ist, kann die Kirche auf Entspannung hoffen.