Hangelar

U3-Betreuung hat Arbeit im Familienzentrum Sankt Anna grundlegend verändert

Sankt Augustin.  Ratternd rollt ein Servierwagen über den Flur. Die rote Gruppe ist sein Ziel. Der Wagen der Blauen fährt zurück in die Küche. Während hier noch Löffel klappern, kreisen dort die Zahnbürsten, einen Raum weiter sind die ersten Mädchen und Jungen bereit für den Mittagschlaf.
Mittagszeit: Barbara Els versorgt die Kinder im Familienzentrum Sankt Anna mit Essen.
								Foto: Holger Arndt
Mittagszeit: Barbara Els versorgt die Kinder im Familienzentrum Sankt Anna mit Essen. Foto: Holger Arndt

Mit frischer Windel, Schnuller, Kuscheltier oder Schnuffeltuch geht es für die unter Dreijährigen in den Schlafraum. Die Zeichen sind unverkennbar: Es ist Mittagszeit im Familienzentrum Sankt Anna. Das Team um Einrichtungsleiterin Barbara Els ist an allen Fronten gefragt - wie jeden Tag.

"Es hat sich einfach alles verändert", ziehen Els und ihre Mitarbeiterinnen Claudia M. Henseler, Christiane Schler und Barbara Rick Bilanz. Seit sie in ihrer Einrichtung Kinder unter drei Jahren betreuen, gestalte sich ihre Arbeit grundlegend neu. "Sie ist sehr viel aufwendiger und zeitintensiver geworden und fordert uns ganz anders", sagt Claudia Henseler.

Die Jüngeren bräuchten mehr Zuwendung, emotional wie rein praktisch gesehen. Sie müssen gewickelt und angezogen werden, brauchen feste Rituale und Strukturen und andere Spielangebote. Überdies sei die Elternarbeit intensiver: "Wir müssen Ängste abbauen und Vertrauen aufbauen."

15 der 108 Mädchen und Jungen, die in der Hangelarer Kindertagesstätte betreut werden, sind keine drei Jahre alt, fünf sogar unter zwei Jahren. Der Bedarf ist indes weit höher, weiß Barbara Els: "Wir haben mehr als doppelt so viele Anmeldungen wie Plätze", sagt sie. Die vom Bund geforderte Betreuungsquote werde den Bedarf sicher nicht decken. Zudem ist sie sicher, dass einige Eltern sehr viel unternehmen werden, um ihren Rechtsanspruch einzufordern.

Die räumliche Umgestaltung hat den Wandel in der Hangelarer Kita vor etwa vier Jahren eingeleitet: Die sanitären Anlagen wurden an die Bedürfnisse von unter Dreijährigen angepasst, Wickeltische und Schlafplätze geschaffen und die Gruppenräume unter dem Sicherheitsaspekt umgestaltet. "Wir haben alle Steckdosen ausgetauscht, alle Türen mit Klemmschutz versehen und neu überlegt, was wir in den Gruppen wo verstauen", sagt Claudia Henseler.

 Der aufwendige Umbau, der nun Platz für 22 unter Dreijährige bietet, sei indes nicht allein über die U3-Mittel, sondern nur durch zusätzliche Investitionen des Erzbistums Köln möglich gewesen, berichtet Els. Zu den räumlichen Veränderungen gesellten sich konzeptionelle: "Wir haben einen internen Fortbildungstag genutzt, um die Situation zu erfassen", sagt Els. Zusammen mit ihrem Team habe sie andere Einrichtungen, die unter Dreijährige betreuen, besucht.

"Dort haben wir geschaut, was läuft gut, was läuft schlecht und dann entschieden, was wir für uns umsetzen wollen", erklärt Christiane Schler. "Zusammen mit einer weiteren Kollegin habe ich mich zudem extern zertifizieren lassen", ergänzt Barbara Rick. Die größte Herausforderung sei der täglich zu leistende Spagat: "Wir müssen uns intensiv den Kleinen widmen, ohne dabei die Großen zu vernachlässigen", sagt Schler.

Gleichwohl sei die neue Situation für alle ein Gewinn: Die U3-Kinder wachsen in eine Gemeinschaft mit familienähnlicher Struktur herein und nehmen viel mit: Sie werden schneller selbstständig, lernen, indem sie die Großen beobachten und nachahmen. Und auch die über Dreijährigen lernen von den Kleinen, übernehmen Verantwortung: "Vorschulkinder stehen den neuen Kindern als Paten zur Seite", sagt Christiane Schler. Wie zum Beweis hilft Valentin Thomas in die Jacke und verabschiedet den Kleinen mit einem Kuss: "Bis morgen."

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