Das GA-Torfieber grassiert wieder
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David Gergen hat in Wahlkämpfen schon vieles gesehen. So verblüfft wie jetzt war der Polit-Oldie des Fernsehsenders CNN lange nicht. "Wie konnte das geschehen?", frage Gergen in die Kamera. Schulterzucken. Nach den drei überraschenden Erfolgen des bis dahin abgeschlagenen Ex-Senators Rick Santorum bei den republikanischen Präsidentschafts-Vorwahlen in den Bundesstaaten Missouri, Minnesota und Colorado über den klaren Favoriten Mitt Romney zerbrechen sich die politischen Analysten in Washington den Kopf über Gründe und Konsequenzen.
Vorherrschender Tenor: Alle drei Wahlen haben keine bindenden Resultate erbracht. Santorum kann sich de facto noch nichts dafür "kaufen". Die insgesamt 125 zu verteilenden Delegierten-Stimmen werden erst im Frühjahr auf regionalen Parteiversammlungen vergeben. Bis dahin kann noch einiges passieren. Aber auch symbolische Niederlagen sind Niederlagen. Mitt Romney, Ex-Gouverneur von Massachusetts, und seit Wochen der gefühlte Kandidat, auf den alles zuläuft, hat einen dreifachen Schuss vor den Bug bekommen.
Sein geplanter Durchmarsch ist ins Stottern geraten. Vor allem bei weißen, stark religiös, konservativ geprägten und wirtschaftlich nicht auf Rosen gebetteten Wählergruppen kommt der Multi-Millionär einfach nicht an. Wobei überraschte, dass Romney (anders als vor vier Jahren) nicht mal Colorado für sich entscheiden konnte.
Santorum dagegen, erz-katholisch, traf bei seinen fleißigen Überlandfahrten durch die Vorwahl-Staaten offensichtlich den Ton einer Mehrheit, die keinen moderaten Republikaner ins Rennen gegen Präsident Obama schicken will. Der Enkel italienischer Einwanderer ist der entschiedenste Streiter gegen Abtreibung und die Gleichstellung der Homo-Ehe, die nach einem Urteil in Kalifornien demnächst wohl den Obersten Gerichtshof beschäftigen wird. Nach dem schlechten Abschneiden der anderen beiden Konkurrenten - Newt Gingrich und Ron Paul - bringt sich Santorum jetzt mit Macht als einzige wahre Alternative zu Romney und Obama in Stellung.
Millionenschwere Negativ-Kampagne
Das Gelingen dieser Strategie wird skeptisch beurteilt. Romney, der in Florida den Widersacher Gingrich mit einer millionenschweren Negativ-Kampagne im Fernsehen ausschaltete, hat in Missouri, Minnesota und Colorado kaum Anzeigen geschaltet. Gegen niemanden. Das wird sich radikal ändern, vermutet David Gergen. Absehbare Zielscheibe: der frömmelnde Santorum. Romneys Wahlkampfkasse ist prall gefüllt, Santorum in dieser Hinsicht eher ein Sozialfall.
Vor den nächsten Abstimmungen in Arizona und Michigan am 28. Februar wird sich der mit Pauken und Trompeten aus dem Amt gewählte Ex-Senator aus Pennsylvania "sehr warm anziehen müssen", heißt es bei den Beobachtern des Internet-Portals "Politico". Nach dem "Super-Dienstag" am 6. März, wenn elf Bundesstaaten gleichzeitig vorwählen, könnte sich der positive Dreiklang von Mittwoch für Santorum im Rückblick als "nette, aber unerhebliche Fußnote" erweisen.
Artikel vom 09.02.2012