Kommentar zu Nordkorea und den USA

Spiel mit dem Feuer

Droht Nordkorea: US-Präsident Donald Trump.

Droht Nordkorea: US-Präsident Donald Trump.

Washington. Mit seinem Cowboyhaften „Feuer-und-Zorn“-Auftritt hat der Commander-in-Chief der größten Streitmacht der Erde ohne Not eine rote Linie gezogen. Jede künftige Grenzüberschreitung Nordkoreas im geopolitischen Kräftemessen, und sie wird kommen, lässt US-Präsident Donald Trumps Glaubwürdigkeit erodieren, wenn er untätig bleibt.

"Nordkorea wird die größte politische Baustelle deiner Amtszeit.“ So in etwa hatte es Vorgänger Obama, der sich bei der Einhegung des atomaren Expansionsdrangs von Diktator Kim Jong Un nicht mit Ruhm bekleckert hat, dem neuen Mann im Weißen Haus im vergangenen Winter prophezeit. Nach der jüngsten Krawallepisode im Krieg der Worte zwischen Washington und Pjöngjang mehren sich die Anzeichen, dass der politische Hasardeur Donald Trump dieser Aufgabe mental und strategisch nicht gewachsen ist.

Mit seinem Cowboyhaften „Feuer-und-Zorn“-Auftritt hat der Commander-in-Chief der größten Streitmacht der Erde ohne Not eine rote Linie gezogen. Jede künftige Grenzüberschreitung Nordkoreas im geopolitischen Kräftemessen, und sie wird kommen, lässt Trumps Glaubwürdigkeit erodieren, wenn er untätig bleibt. Wenn das die „Kunst des Deals“ sein soll, na dann gute Nacht.

Wegen absehbar apokalyptischer Folgen in Asien und darüber hinaus verbietet sich jedes militärische Zündeln im Nordkorea-Konflikt. In einer Region mit 75 Millionen Menschen kann ein einziger Raketenangriff eine globale Kettenreaktion auslösen. Die Mär vom chirurgisch begrenzbaren Eingriff muss im Keim erstickt werden. Wie auch die Legende, bei Kim Jong Un handele es sich um einen Irren mit suizidalen Tendenzen. Der Mann kalkuliert scharf. Und das bisher nicht ohne Erfolg.

Nur Sanktionen, diplomatische Standfestigkeit und am Ende direkte, für beiden Seiten gesichtswahrende Verhandlungen zum Einfrieren des Konflikts unter Einbindung der Vereinten Nationen dürfen bei rationaler Betrachtung im Mittelpunkt stehen. Und wasserdichte Fakten.

Die Ursünde um die von Amerika folgenschwer herbeigelogenen Massenvernichtungswaffen im Irak darf sich nicht wiederholen. Bis zum Beweis des unabhängig überprüfbaren Gegenteils sind darum Zweifel angebracht, wenn die USA Nordkorea plötzlich über Nacht die technologische Befähigung zu einem atomaren Erstschlag andichten und mit drakonischen Gegenmaßnahmen drohen. Die Eilbedürftigkeit, die aus Washington suggeriert wird, wirkt interessengeleitet. Will Trump mit einem außenpolitischen Abenteuer sein klägliches innenpolitisches Versagen überdecken?

Dass man diese Frage fast genau 72 Jahre nach den Atombomben-Abwürfen auf Hiroshima und Nagasaki stellen muss, illustriert die ganze Misere. Man traut diesem Präsidenten, der Unberechenbarkeit und Hemdsärmeligkeit zur Staatsräson erklärt, nach sechs Monaten Amtszeit Dinge zu, die man vor einem Jahr nicht einmal laut ausgesprochen hätte.

Trumps martialische Wortwahl, die Schwäche dokumentiert, keine Stärke, löst noch keinen Krieg aus. Aber sie begünstigt Missverständnisse, falsche Interpretationen, Überreaktionen. Ab sofort kann jeder Satz über Krieg oder Frieden entscheiden.