Kooperation mit Land NRW

So wird in Bonn Cyberkriminalität bekämpft

Ein Mitarbeiter im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sitzt im Nationalen IT-Lagezentrum vor Bildschirmen.

Ein Mitarbeiter im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sitzt im Nationalen IT-Lagezentrum vor Bildschirmen.

Bonn. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) soll das Land NRW in Zukunft noch stärker im Kampf gegen Cyberkriminalität unterstützen. Dessen Zentrale liegt an der Godesberger Allee in Bonn.

Ein Mosaik aus Monitoren und Flachbildschirmen – hier ein Tippen auf der Tastatur, dort ein Klicken der Maus. Analoges Arbeiten mit Zettel und Stift erscheint hier wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. In der Bonner Zentrale des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) an der Godesberger Allee ist Digitalisierung kein abstrakter Begriff, sondern Realität – samt aller damit einhergehenden negativen Begleiterscheinungen.

„Die Lage ist ernst“, warnte BSI-Chef Arne Schönbohm. Cyberanattacken wie im Jahr 2016 auf die Telekom (von der 900.000 Kunden betroffen waren) oder ein Krankenhaus in Neuss (wo gleich mehrere Operationen verschoben werden mussten) zeigen, welche Zerstörungsgewalt ein Hackerangriff entwickeln kann. Und die aktuellen Zahlen sind alarmierend. Etwa 280.000 Schadprogramme werden laut Schönbohm pro Tag identifiziert – Tendenz steigend.

Andreas Pinkwart (FDP), NRW-Wirtschafts- und Digitalminister, will auf diese Gefahrenlage reagieren und hat sich zu diesem Zweck am Dienstag mit Schönbohm getroffen. Die Kooperation zwischen dem BSI und dem Land soll künftig ausgeweitet werden. Dazu unterzeichneten die beiden in Bonn vorerst eine Absichtserklärung, die im Sommer in eine Verwaltungsvereinbarung münden – also vertraglich festgehalten werden soll, erklärte Pinkwart.

Für den NRW-Minister ist die Zusammenarbeit mit dem Bundesamt die bestmögliche Lösung: „Wir haben den Luxus, das BSI in Bonn direkt vor der Haustür zu haben und das werden wir auch nutzen“, sagte Pinkwart. Dieses Potenzial aus der Bundesstadt sei eine riesige Chance für NRW. Gerade Bonn sei auf dem Gebiet der Cybersicherheit eine der Forschungshochburgen in Deutschland. Dieses Wissen müsse das Land umgehend nutzen, um „die digitale Sicherheit in Unternehmen, Behörden und Krankenhäusern zu erhöhen“. Es sei wichtig, dass etwa Polizei und Bundeswehr handlungsfähig bleiben und die Gesundheitsversorgung auch künftig gewährleistet ist.

Die Digitalisierung werde weiter fortschreiten, deshalb müsse sich parallel auch die Sicherheit im Netz weiterentwickeln, mahnte Pinkwart. „Das Ziel ist, die Mitarbeiter in den Unternehmen und in der Kommunalverwaltung zu qualifizieren.“ Wie genau das vonstatten gehe, werde noch zu klären sein.

Mit der Kooperation kommt das BSI seinem gesetzlichen Auftrag zur Beratung und Unterstützung der Bundesländer nach. Sie umfasst unter anderem eine Zusammenarbeit beim IT-Krisenmanagement, den Austausch von Gefährdungsindikatoren über die vom Bund betriebene Malware Information Sharing Platform (MISP) sowie den Austausch zu mittel- und langfristigen IT-Sicherheitsstrategien. Auch in Fragen der Aus- und Fortbildung wurden Vereinbarungen zur Kooperation getroffen, so werden etwa gegenseitige Hospitationen in den jeweiligen Computer Emergency Response Teams (CERT) durchgeführt.

Dass nun ausgerechnet das Land NRW eine verstärkte Kooperation mit dem BSI anstrebt, ist für dessen Chef Schönbohm übrigens keine Überraschung. „Gerade in NRW gibt es eine Vielzahl an größeren Dax-Unternehmen. Ein Drittel unserer Partner kommt hierher“, erklärte Schönbohm. Nun gehe es darum, mit ihnen künftig eine Infrastruktur für mehr Cybersicherheit aufzubauen.

Digitalisierung und Schutzmaßnahmen müssten dabei gleichzeitig vorangetrieben werden. Schönbohm zog zum Vergleich ein alltägliches Beispiel heran: „Sie bauen ja auch kein Haus, ohne auf den Brandschutz zu achten.“ Der Feuerlöscher kommt demnächst wohl aus Bonn.