Pumpspeicherwerk am Rursee

Schuldzuweisungen nach dem Baustopp in der Eifel

23.06.2013 DÜSSELDORF. Am Ende fehlte der politische Rückhalt für das geplante Pumpspeicherkraftwerk in der Eifel. Der Stadtwerke-Konzern Trianel stoppte das 700-Millionen-Projekt wegen der zunehmenden Planungsunsicherheit.

Während Politiker in Bund und Land öffentlich die Energiewende bejubeln, stellten sich die lokalen und regionalen Räte nach dem Sankt-Florians-Prinzip quer. Nach dem Baustopp für das milliardenteure Kohlekraftwerk Datteln IV wird der geplatzte Bau des Pumpspeicherkraftwerks am Rursee zum nächsten "Investitionsgrab".

In der Nationalpark-Region Eifel hatte die Bürgerinitiative "Rettet den Rursee" wie berichtet vor den Auswirkungen durch das Pumpspeicherkraftwerk auf den Tourismus gewarnt. Bei acht Jahren Bauzeit und mehr als 100 Lkw-Fahrten pro Tag drohe ein "ökologischer und touristischer Totalschaden".

Die Folge: Mit Ausnahme der Grünen ging die Politik in Simmerath, Heimbach und Nideggen als auch in den Kreisen Aachen und Düren sowie im Regionalrat Köln bei dem Mammutprojekt in Deckung. Als der Regionalrat Köln die unbedingt notwendige Regionalplanänderung verwehrte, zog Trianel die Reißleine. Der SPD-Fraktionschef im Landtag, Norbert Römer, erhob umgehend schwere Vorwürfe gegen die CDU.

Die Union habe die größte Investition in der Eifel torpediert und dem Standort NRW massiv geschadet. Römer sprach von einem "energiepolitischen Offenbarungseid der CDU". Dass allerdings auch SPD-Kommunalpolitiker in der Eifel blockierten, erwähnte der Fraktionschef nicht. Dabei stellte der SPD-Ortsverein Heimbach erfreut klar, dass die Gefahr für den Tourismus gebannt sei. "Damit ist unser stets verfolgtes Ziel erreicht."

Für den grünen Umweltminister Johannes Remmel ist das Aus am Rursee dagegen eine mittlere Katastrophe. Grünen-Fraktionschef Reiner Priggen sprach von einer "schlechten Nachricht für die Energiewende". Schließlich seien Pumpspeicherkraftwerke ein unverzichtbarer Baustein für die Energiewende.

Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, kann das Kraftwerk durch das Ablassen von Wasser aus einem höhere gelegenen Becken Stromengpässe schließen. Trianel-Projektleiter Markus Hakes konzentriert sich nach dem enttäuschenden Aus am Eifel-Rursee auf neue Speicherwerke im Kreis Gotha und Höxter.

Derweil schiebt sich die Politik den Schwarzen Peter für den Flop zu. Römer erinnerte daran, dass der Vorsitzende des Regionalrates Köln, Rainer Deppe, gleichzeitig der umweltpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in NRW ist. "Während NRW-CDU-Chef Laschet bei den Unternehmen die Klinke putzt, um am wirtschaftspolitischen Profil seiner Partei zu feilen, lässt der CDU-Landtagsfraktionsvorsitzende Laumann den Widerstand gegen dieses industriepolitische Großprojekt aus seinen Reihen organisieren", kritisierte Römer am Wochenende weiter. (Wilfried Goebels)