Interview mit Brigadegeneral Tränapp

Schöner dienen

Brigadegeneral Friedhelm Tränapp (52) leitet seit Februar 2014 in Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium die "Arbeitsgruppe Attraktivität". Er hat in Fürstenfeldbruck seine Offiziersausbildung begonnen und an der Bundeswehr-Universität in Hamburg Pädagogik studiert. Rund zehn Jahre seiner Dienstzeit verbrachte er in Bonn. FOTO: BW/HANNEMANN

Brigadegeneral Friedhelm Tränapp (52) leitet seit Februar 2014 in Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium die "Arbeitsgruppe Attraktivität". Er hat in Fürstenfeldbruck seine Offiziersausbildung begonnen und an der Bundeswehr-Universität in Hamburg Pädagogik studiert. Rund zehn Jahre seiner Dienstzeit verbrachte er in Bonn.

BONN. Qualifizierter Nachwuchs wird knapp, das bekommt die Bundeswehr zu spüren. Unkomfortable Arbeitszeiten, häufige Versetzungen: Die Truppe kann mit Jobs in der freien Wirtschaft kaum konkurrieren. Mit Brigadegeneral Friedhelm Tränapp, der bei der Bundeswehr die "Arbeitsgruppe Attraktivität" leitet, sprach Jasmin Fischer über Reformen.

Ein Soldat hat kein Privatleben. Richtig oder falsch?
Friedhelm Tränapp: Ganz klar falsch. Ich bin seit 33 Jahren bei der Bundeswehr und habe immer ein Privatleben gehabt. Sicher gibt es Phasen, in denen man sehr beansprucht ist, in der die Familie auch mal zurückstecken muss. Davor oder danach gehen wir aber, so heißt es bei der Bundeswehr, in den Grundbetrieb.

Wer bei der Bundeswehr Karriere machen will, muss jedoch versetzungswillig sein. Für viele passen häufige Ortswechsel nicht mit dem Wunsch nach Familie zusammen. Wie wollen Sie Soldatsein und Familienleben in Balance bringen?
Tränapp: Wir brauchen nicht um den heißen Brei herumzureden: Es muss überlegt werden, wie wir unsere Personalrotation etwas verträglicher für Familien gestalten können. Ganz ohne Versetzungen wird die Bundeswehr jedoch nicht auskommen. Man muss sich Kompetenzen erarbeiten - das geht oft nicht am gleichen Standort, auf der gleichen Ebene. Dienstposten müssen zudem besetzt werden. Eine Fregatte kann nicht auslaufen, wenn der Maschinist oder Navigations-Spezialisten fehlen. In dem Punkt müssen wir besser werden, etwa, indem wir mehrere Entwicklungsschritte an einem Ort ermöglichen oder Versetzungen ganz langfristig planen - verlässlicher eben.

Welche anderen Maßnahmen sind in Umsetzung?
Tränapp: Wir sind dabei, Lücken in der Kinderbetreuung zu schließen, auch, indem wir Kinder in unseren eigenen Liegenschaften in Kasernennähe betreuen lassen. Der Aspekt "zeit- und ortsunabhängige Arbeit" zieht sich wie ein roter Faden durch die Agenda. So haben wir bereits 1000 Laptops angeschafft, mit denen sich zu Hause wie im Büro arbeiten lässt. Bis Ende des Jahres kommen 2000 weitere Geräte hinzu. Etwa 40 Prozent der Soldaten sind Fernpendler mit über 100 Kilometern pro Wegstrecke - für sie ist es eine enorme Erleichterung, mal von zu Hause aus arbeiten zu können. Rund 100 Millionen Euro stehen für das ganze Maßnahmenbündel, inklusive besserer Ausstattung der Unterkünfte, in den nächsten fünf Jahren zur Verfügung.

In den kommenden Tagen tritt ein Gesetz in Kraft, das 25 weitere, millionenschwere Maßnahmen vorsieht, mit denen die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Deutschland aufsteigen will. Was steckt in dem Reformbündel?
Tränapp: Es geht um Arbeitszeitregelungen sowie um bessere Bezahlung und Versorgung, wie etwa Zulagen für Spezialisten und besondere Aufgaben sowie eine verbesserte Altersversorgung für die aktuell 125 000 Zeitsoldaten. Ihnen wird die Beitragsbemessungsgrundlage für die gesetzliche Rente um 20 Prozent erhöht, sodass wir konkurrenzfähiger sind etwa mit den Zusatzrenten, die Tarifbeschäftigte anderswo bekommen.

Oft ist es nicht das Geld allein, das Arbeitgeber attraktiv macht ...
Tränapp: Das stimmt. Die Erfahrung großer Firmen zeigt, dass die meisten Menschen ihren Arbeitgeber wegen schlechter Führung verlassen. Die Führungskultur in der Bundeswehr ist gut, aber wir können noch besser werden. Ich sehe die Führungskultur als Bindegewebe der gesamten Attraktivitätsoffensive. Ohne eine bessere Lebensphasen- und Mitarbeiterorientierte Führung wird diese Offensive nicht funktionieren.

Krieg in Teilzeit oder Nachtmärsche am Telearbeitsplatz wird es nie geben. Ist der Soldatenberuf dem bequemen Schreibtisch-Job immer unterlegen?
Tränapp: Die "Generation Y" hat natürlich ganz andere Haltungen und Erwartungen an ihren Arbeitgeber als ältere Generationen. Er soll etwas für die Familie tun, verlässliche Dienstzeiten garantieren. Wir müssen hart daran arbeiten, dass diese Generation zu uns kommt und bei uns bleibt. Wenn Zeitsoldaten ihre Pflichtzeit beenden, sind sie zwischen 28 und 40 Jahre alt - denken an Familie, daran, Eigentum zu erwerben. In der Phase müssen wir sie an die Hand nehmen und ein Angebot zur Karriereentwicklung machen oder sie auf das Leben außerhalb der Bundeswehr vorbereiten. Kaum ein anderer Arbeitgeber bietet so viele Möglichkeiten - von der Ausbildung bis hin zum akademischen Abschluss.