Kommentar zum OECD-Bildungsbericht Ressource Nummer eins

Eine Schülerin meldet sich in einem Klassenzimmer während des Unterrichts. Foto: dpa

Berlin. 17 Jahre ist es her, da erschütterten die Ergebnisse der ersten Pisa-Studie die Republik. Doch Deutschland hat seine lektion gelernt, stellt unser Autor fest.

Deutschland hat seine Lektionen gelernt. Nicht auf allen Feldern mit Note 1, aber doch mit Wirkung. Nach der Pleite bei der ersten Pisa-Studie vor 17 Jahren, als deutsche Schülerinnen und Schüler erschreckende Wissenslücken im Vergleich mit ihren Altersgenossen im OECD-Ranking offenbarten, steht das Land von Schiller, Goethe und Einstein bei Bildung und Ausbildung wieder gut da.

Die viertstärkste Volkswirtschaft der Erde hat sich nach dem jüngsten OECD-Bildungsbericht in vielen Bereichen stark verbessert und zeigt damit, dass man verstanden hat: Die wichtigste Ressource in diesem sonst rohstoffarmen Land ist das Wissen in den Köpfen vor allem kommender Generationen.

Besonders erfreulich: Das duale System, das für Studium und Berufsausbildung gleichwertige Chancen eröffnen soll, zeigt seine Vorzüge. Lange galt in Deutschland der Weg an Hochschulen und Universitäten als der einzig erfolgversprechende für eine spätere Karriere.

Heute belegen Meister und Techniker, dass jemand mit einer hoch qualifizierten Aus- und Weiterbildung im Handwerk gleichfalls eine blitzsaubere Berufslaufbahn hinlegen kann. Das ist gut, stärkt den Mittelstand und auch den Mittelbau der Gesellschaft, mit dessen Qualifikation und Bildung sich Deutschland immer noch von den meisten Staaten im internationalen Vergleich absetzen kann.

Die Digitalisierung wird die zentrale Aufgabe für die Zukunft dieses Land. Dazu brauchen Kommunen, Länder und der Bund Milliarden-Investitionen. Digitale Wende fängt spätestens in den Klassenzimmern. Was Hänschen nicht lernt... Deswegen sollten die Länder endlich bereit sein, ihre Position zu überdenken und im Sinne des großen Ganzen auch den Bund mit dazunehmen, wenn es darum geht, den vielfach völlig unterfinanzierten Schulen bei der digitalen Infrastruktur zu helfen.

Die bewährte föderale Struktur in dieser Republik gerät dadurch nicht ins Wanken, sie wird auch nicht ausgehöhlt und die Länder geben auch nicht ihre Kompetenz für Inhalte, für die von ihnen aufgestellten Lehrpläne, auf. Das ist falsches Konkurrenzdenken. Mein Gartenzaun, dein Gartenzaun.

Bildung (und Sprache) bleiben der Schlüssel für späteren Erfolg im Beruf, mindestens für ein existenzsicherndes Arbeitsleben. Wer ohne jeden Abschluss ins Leben startet, hat in der sich permanent wandelnden und auf Geschwindigkeit getrimmten Gesellschaft mit ihrer globalisierten Wirtschaft kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Das gilt für Inländer wie für Zugewanderte oder Flüchtlinge. Wer die Sprache beherrscht, wer lernen und sich integrieren will, wird in diesem Land mit seinem Facharbeitermangel aber gebraucht werden. Dringend.

Eigene Lebensführung braucht eine wirtschaftliche Basis. Und die gibt es nur über Bildung und Ausbildung. Beide sind beste Investitionen in die Zukunft – und gegen jede Form von Extremismus.

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