Interview

Rentenberater-Chefin Herbrich fordert Reform: "Unglaublich und ungerecht"

"Das Rentensystem muss modernisiert werden", fordert Marina Herbrich.

Die Präsidentin des Bundesverbandes der Rentenberater, Marina Herbrich, warnt davor, eine höhere Rente für ältere Mütter aus der Rentenkasse zu zahlen. Eine Finanzierung der geplanten Anhebung der "Mütterrente" um 28 Euro pro Kind müsse aus Steuermitteln erfolgen. Mit ihr sprach Wilfried Goebels.

CDU und SPD wollen 2014 auf eine Senkung des Rentenbeitrags von 18,9 auf 18,3 Prozent verzichten, um zusätzliche Leistungen für Geringverdiener, Frührentner, Invaliden und ältere Mütter zu finanzieren. Ist das vertretbar?

Marina Herbrich: Der Verzicht auf eine Beitragssenkung zielt in die richtige Richtung, um die Rentenkasse langfristig stabil zu halten. Überschüsse müssen aber in der Rentenkasse bleiben und dürfen nicht versicherungsfremd zur Aufstockung der Mütterrente verwendet werden. Wenn ständig in die Rentenkasse gegriffen wird, führt das gerade bei jüngeren Beitragszahlern zum Vertrauensverlust in die gesetzliche Rente.

 

Die 6,5 Milliarden Euro teure "Mütterrente" muss also aus Steuermitteln finanziert werden?

Herbrich: Natürlich. Es ist Aufgabe der Politik, die Rentenversicherung stabil zu halten. Deshalb müssen neben den Arbeitnehmern auch Unternehmen, Beamte und Freiberufler an den Kosten dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe beteiligt werden. Wenn die CDU/CSU Überschüsse der Rentenkasse einsetzen will, um ihre Wahlversprechen bei der Mütterrente zu finanzieren, ist das unglaublich und ungerecht.

 

Fürchten Sie sonst um den Generationenvertrag zwischen Alt und Jung?

Herbrich: Wir dürfen nicht die Weichen für einen Generationenstreit zwischen Alt und Jung stellen. Deshalb muss das Rentensystem modernisiert werden. Die Rentenberater plädieren dafür, den Beitragssatz auf mindestens 20 Prozent festzuschreiben, um wirksam gegen die drohende Altersarmut vorzugehen. Mit den Überschüssen können Erwerbsminderungsrenten angehoben werden. Die bessere Bewertung der Kindererziehungszeiten ist Sache der Steuern.

 

Sie vermissen eine große Rentenreform?

Herbrich: Ja. Das Schielen auf aktuelle Überschüsse der Rentenkasse muss ein Ende haben.