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Röttgens Entlassung
Regionale CDU-Politiker kritisieren Merkels Umgang mit ihrem Minister
Von Bernd Eyermann
BONN/REGION. Wer in diesen Tagen den einen oder anderen CDU-Landespolitiker aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis auf Norbert Röttgen anspricht, der bekommt in der Regel zuerst die Kritik an der Gefühlskälte der Bundeskanzlerin zu hören.
Körpersprache: Während Norbert Röttgen bei einer Wahlkampfveranstaltung in Bonn spricht, steht Kanzlerin Angela Merkel abseits mit gefalteten Händen. Foto: Volker Lannert
Er müsse nun eben dafür büßen, dass er die CDU im bevölkerungsreichsten Bundesland mit einem katastrophalen Wahlkampf in Grund und Boden gerichtet habe, heißt es aus den Reihen jener Landespolitiker, die Wahlkreise verloren, die noch vor wenigen Jahren zu den Hochburgen der CDU gehört hatten. "Hätten wir landesweit 30 statt 26 Prozent erreicht, dann wären wir fast alle noch im Landtag", sagt einer der rund 30 früheren Abgeordneten. Da ihre Wahlkreise sicher schienen, waren die wenigsten von ihnen auf der Liste abgesichert.
Schon am Montag im Landesvorstand und am Dienstag in der ersten Landtagsfraktionssitzung nach der Wahl hatten die CDU-Politiker ihren Frust abgelassen über den "wenig emotionalen Wahlkampf" und die zahlreichen Fehler des Spitzenkandidaten, wie es heißt. Dort, wo Röttgen zu Hause ist, in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis, sieht die Stimmungslage offenbar etwas anders aus. Jedenfalls scheint der Rückhalt für Röttgen hier größer zu sein als anderswo.Die Bonner CDU nennt die Entlassung "unverhältnismäßig", denn seine fachliche Qualifikation als Bundesumweltminister sei bislang unstrittig gewesen "und stand am vergangenen Sonntag in Nordrhein-Westfalen nicht zur Wahl". "Mit Entsetzen und Enttäuschung" reagiert der Kreisvorstand der Rhein-Sieg-CDU. Die Entlassung Röttgens stelle einen "schweren Verlust für die Bundesregierung und die Bundespolitik dar". Kritisiert wird vor allem der Stil. "Die Umstände seiner Entlassung sind unserer Ansicht nach unwürdig und seinen Leistungen nicht angemessen."
Ähnlich argumentiert die CDU Sankt Augustin: "Wir denken als erstes an den Menschen Norbert Röttgen. Das politische Miteinander oder auch Gegeneinander in schwierigen Situationen sollte sich gerade in der CDU immer an christlichen Werten orientieren." Daran erinnert auch die Bonner Junge Union, die sich im Landtagswahlkampf mit zahlreichen Aktionen für Röttgen eingesetzt hatte. "Die Union muss sich durch einen besonderen Umgangsstil auszeichnen und ihre christdemokratischen Werte vorleben", heißt es in einer Mitteilung.
Dass sich Röttgen nicht aus der Politik zurückziehen will, sein Bundestagsmandat behalten möchte und auch plant, bei der Wahl im nächsten Jahr wieder anzutreten, das wird im Vorstand der Rhein-Sieg-CDU begrüßt. "Wir wünschen uns, dass er eine wichtige Rolle in der Bundespolitik behält", sagt Pressesprecher Frederic Tewes.
Dieses Interesse bekunden sogar die Bonner Abgeordneten von SPD und Grünen, Ulrich Kelber und Katja Dörner. Es sei eine "ausgesprochen negative Entwicklung", dass der Einfluss Bonns durch den Rauswurf Röttgens und die Schwächung von Außenminister Guido Westerwelle zurückgegangen sei. "Dabei wäre es gerade jetzt wichtig, starke Fürsprecher für die Interessen Bonns in der Regierung zu haben." Denn das Berlin/Bonn-Gesetz stehe unter Druck und die Stärkung Bonns als Stadt der Entwicklungszusammenarbeit "bis dato nur auf dem Papier", so Kelber und Dörner.
Artikel vom 19.05.2012
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