Kommentar zur Lage von Alleinerziehenden

Prekär und allein

Neun von zehn Alleinerziehenden sind dem Mikrozensus zufolge weiblich.

Neun von zehn Alleinerziehenden sind dem Mikrozensus zufolge weiblich.

Bonn. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist besonders für Alleinerziehende ein Thema von großer Bedeutung. Dennoch bieten Arbeitgeber noch zu wenig Arbeitsplätze mit flexiblen Arbeitszeiten an, findet GA-Redakteur Holger Möhle.

Zwei Kinder, alleinerziehend – und dann auch noch eine Vollzeitstelle. Das ist häufig bereits ein Ausschlusskriterium bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Und schon beginnt der Wettlauf gegen die Zeit, gegen die Misere, um Geld und Zuschuss. Auf der einen Seite hören wir in vielen Sonntagsreden, dass Kinder die Zukunft der Gesellschaft seien, erst recht in einem Land ohne nennenswerte Rohstoffe. Auf der anderen Seite aber bieten immer noch zu wenige Unternehmen flexible Arbeitszeiten und Kinderbetreuung im oder durch den Betrieb an, damit (alleinerziehende) Eltern auch ihrer Arbeit nachgehen können.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist vor allem für Alleinerziehende ein Megathema, mit dem viele von ihnen alleine gelassen und überfordert werden. Alleinerziehende sind deutlich stärker von Armut bedroht als verheiratete Paare mit Kindern. Alleinerziehende sind in aller Regel Frauen. Und Alleinerziehenden haben schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, vor allem, wenn es darum geht, eine Vollzeitstelle zu besetzen. In aller Regel ist es kein Ergebnis einer freien Entscheidung, wenn Mütter oder Väter ihre Kinder alleine ohne Partner erziehen. Trennung, Scheidung, Tod.

Mittlerweile leben Kinder in 1,5 Millionen Alleinerziehenden-Haushalten in Deutschland, Tendenz zuletzt steigend. Die Kinder werden von der oft prekären Lage ihrer alleinerziehenden Mütter oder Väter mitgeprägt – manchmal für ein Leben. Armut führt zu Ausschluss – von Urlaub, von Klassenfahrten, von Gemeinschaftserlebnissen, von Glücksmomenten, von Erfolg. Das ist ziemlich traurig. Auch wenn die Gesellschaft nicht für jedes Einzelschicksal verantwortlich gemacht werden kann und darf, muss es möglich sein, den Arbeitsmarkt mit flexibleren Zeitmodellen umzubauen.

Im Ergebnis ist es sehr viel teurer, wenn der Staat Unterstützungsleistungen für Alleinerziehende bezahlt, als wenn diese arbeiten gingen, was viele auch gerne würden. Vor allem die Lage der alleinerziehenden Mütter ist dramatisch und muss dringend verbessert werden. Immer noch tragen in aller Regel Frauen das Armutsrisiko, wenn sie nach einer Trennung Kinder alleine erziehen.