Kommentar zur AfD

Poggenburgs Exit

André Poggenburg 2017 bei einer Wahlveranstaltung: Klagen über einen „Linksruck“ in der AfD.

André Poggenburg 2017 bei einer Wahlveranstaltung: Klagen über einen „Linksruck“ in der AfD.

Berlin. Der Austritt von André Poggenburg aus der AfD ist ein nächster Beleg dafür, dass die Partei ihren Streit über den künftigen Kurs noch lange nicht beendet hat, kommentiert Holger Möhle.

Einer geht noch. Und vielleicht ist er nicht der Letzte. Der Austritt von André Poggenburg aus der AfD ist ein nächster Beleg dafür, dass die Partei ihren Streit über den künftigen Kurs noch lange nicht beendet hat. Wenn die Anti-Europa-Partei an diesem Wochenende im sächsischen Riesa ihren Europa-Parteitag abhält, ist selbst Parteichef Jörg Meuthen nicht ganz wohl bei dem Gedanken: Die AfD könnte passend zum Brexit auch noch einen „Dexit“, einen EU-Austritt Deutschlands, beschließen, wie es der Leitantrag vorsieht.

Poggenburg, strahlender AfD-Wahlgewinner bei der Landtagswahl 2016 in Sachsen-Anhalt mit 24,3 Prozent gleich im ersten Anlauf, plant jetzt seinen ganz persönlichen Exit. Der Rechtsausleger will mit dem „Aufbruch deutscher Patrioten Mitteldeutschland“ in die Landtage im Osten. Schon allein der Name zeugt von der Idee der Kleinstaaterei, die dahinter steckt. Zutiefst anti-europäisch und nationalistisch aufgeladen versucht Poggenburg, Wasser aus dem Graben der AfD auf seine Mühlen zu lenken. Europa egal. Mitteldeutschland, wir kommen! Man glaubt es nicht.

Die AfD, die bekanntlich eine Alternative für Deutschland sein will, muss sich gut überlegen, wie sehr sie Europa aufs Spiel setzen will. Ihr Zuspruch aus dem Lager der unzufriedenen Wähler von CDU, SPD und Linken ist eine Momentaufnahme. Noch ist die Partei in den Parlamenten mit allerlei Störmanövern, aber wenig mit konstruktiver Sachpolitik aufgefallen. Und es ist immer noch nicht ausgemacht, siehe Poggenburg, ob sich die AfD eines Tages doch noch selbst zerlegt.