Wartezeiten bei Arztterminen

Patienten brauchen im Bonner Raum viel Geduld

Die Wartezeit auf einen Arzttermin kann viel Zeit in Anspruch nehmen.

Die Wartezeit auf einen Arzttermin kann viel Zeit in Anspruch nehmen.

Bonn/Berlin. Bonner Fachärzte machen offenbar einen weiten Bogen um ihre Kassenpatienten. Durchschnittlich 44 Tage müssen diese in der Stadt und im Rhein-Sieg-Kreis auf einen Termin warten.

Privatversicherte dürfen schon nach acht Tagen kommen – eine Differenz von 36 Tagen. Nur in Bielefeld macht es mit 43 Tagen noch einen größeren Unterschied, welchem Versicherungszweig ein Patient angehört. Im Landesdurchschnitt liegt der Unterschied bei 27 Tagen. Am schnellsten sahen Versicherte in Düsseldorf einen Facharzt. Hier betrug die Differenz zu privat Versicherten 16 Tage.

Zu diesem Ergebnis kommt eine umfangreiche Stichproben-Auswertung der grünen Bundestagsabgeordneten Maria Klein-Schmeink aus Münster. Die Fraktionssprecherin für Gesundheitspolitik hat einmal mehr die Probe aufs Exempel gemacht. Sie ließ im März verschiedene Mitarbeiter der Fraktion in 405 zufällig aus dem Branchenbuch gewählten Arztpraxen im Land telefonisch Termine vereinbaren – einmal für einen gesetzlich Versicherten, einmal für einen Privatpatienten.

Auch 45 Fachärzte in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis waren darunter. Die Tester trugen etwa Rückenprobleme, juckenden Hautausschlag am Arm oder Kniebeschwerden, die mittels MRT eingegrenzt werden sollten, vor – alles Beschwerdebilder, die das Wohlbefinden beeinträchtigt haben und bei denen bei weiterem Warten eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes nicht auszuschließen war. Es ging mithin nicht um leicht aufschiebbare Routineuntersuchungen.

Die von Standesvertretern häufig geleugnete Präferenz für die lukrativen Privatpatienten, die dem Arzt im Regelfall den 2,3-fachen Honorarsatz oder mehr einbringen, wurde damit offenkundig. Dies wird auch durch Honorarzahlen untermauert. So sorgen die elf Prozent Privatversicherten bei der Ärzteschaft für 25 Prozent der Einnahmen.

Gerade im Bonner Raum hat sich die Situation der Auswertung zufolge deutlich verschärft: Bei der letzten vergleichbaren Erhebung im Jahr 2014 mussten Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen landesweit noch eine Woche kürzer auf einen Termin warten. In Bonn betrug die Wartezeit mit 24 Tagen sogar fast zwei Wochen weniger.

Aus Sicht der Grünen liegt der Fehler in einem falschen Anreizsystem für die Mediziner begründet. „Daran hat auch die Einführung von Terminservicestellen nichts geändert“, sagt Klein-Schmeink, die auch dem Gesundheitsausschuss des Parlaments angehört. Sie fordert in der Konsequenz den Systemwechsel hin zur Bürgerversicherung für alle. Es werde Zeit für ein faires und leistungsgerechtes Vergütungssystem, das gute Behandlung und nicht den Versichertenstatus vergüte. Auch ihre Bonner Fraktionskollegin Katja Dörner zeigt sich entsetzt vom Bonner Ergebnis. Dieses sei „völlig inakzeptabel“.

Allerdings handeln offenbar nicht alle Ärzte nach diesem Muster. Bei rund einem Drittel der getesteten Praxen konnten die Tester keinen Unterschied in der Behandlung zwischen privat und gesetzlich Versicherten feststellen. Als besonders anfällig erwiesen sich dagegen Radiologen. Während ein Privatpatient im Schnitt nach fünf Tagen kommen durfte, sollten die Kassenpatienten im Landesschnitt 42 Tage warten. Auch Haut- und Augenärzte machen große Unterschiede zwischen ihren Patienten. Bei ihnen betrug die Differenz 33 bzw. 32 Tage. Orthopäden und Kardiologen differenzieren dem Ergebnis nach weniger. Hier lag der Unterschied bei 15 bzw. 16 Tagen.