Integration in Nordrhein-Westfalen

NRW fördert liberale Moscheen

ARCHIV - Die Rechtsanwältin Seyran Ates freut sich am 12.05.2017 in Berlin in der Kirche St. Johannes nach der Unterzeichnung eines Mietvertrages. Ates eröffnet in Berlin am 16. Juni eine Moschee für liberale Muslime. In der Rushd-Goethe-Moschee sollen Frauen und Männer gleichberechtigt beten und predigen.

ARCHIV - Die Rechtsanwältin Seyran Ates freut sich am 12.05.2017 in Berlin in der Kirche St. Johannes nach der Unterzeichnung eines Mietvertrages. Ates eröffnet in Berlin am 16. Juni eine Moschee für liberale Muslime. In der Rushd-Goethe-Moschee sollen Frauen und Männer gleichberechtigt beten und predigen.

Düsseldorf. Die Landesregierung will sich die Bundeshauptstadt zum Vorbild nehmen und spricht sich für die Einrichtung liberaler islamischer Gotteshäuser aus. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker fordert mehr Einfluss auf den Islamverband Ditib.

Die neue NRW-Landesregierung hat sich für die Einrichtung liberaler Moscheen ausgesprochen. Derartige Gebetshäuser zeigten die Vielfältigkeit des Islam, sagte NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) unserer Redaktion: „Daher begrüße ich entsprechende Initiativen.“ Wichtig sei, dass sich keine religiöse Gemeinschaft vor einen politischen Karren spannen lasse, ganz gleich aus welcher Himmelsrichtung. „Für viele Muslime steht der Islam nicht für Rückständigkeit und Gewalt. Deshalb ist es gut, wenn durch Initiativen zur Gründung liberaler Moscheen dieser Wahrnehmung etwas entgegengesetzt wird“, ergänzte Integrations-Staatssekretärin Serap Güler (CDU).

Der Liberal-Islamische Bund (LIB) plant derzeit die Gründung einer weiteren säkular ausgerichteten Moschee im Ennepe-Ruhr-Kreis. In Köln besteht bereits eine liberale Moschee, in der Männer und Frauen gemeinsam beten, eine Imamin die Predigten hält und Kopftücher keine Pflicht sind. „Der LIB betreibt seit Jahren die Muslimische Gemeinde Rheinland in Köln. Von daher begrüße ich immer die Idee einer liberalen Moschee“, sagt die Islamwissenschaftlerin und Mitgründerin des LIB, Lamya Kaddor.

Liberale Moschee sorgt für Aufsehen

Auch der Vorsitzende des Kreises der Düsseldorfer Muslime, Dalinç Dereköy, setzt sich für die Gründung weiterer „vom ‚Mainstream‘-Islam beziehungsweise der klassischen Theologie abweichenden Moscheegemeinden“ ein. Dereköy bezweifelt aber, dass es künftig theologische Berührungspunkte mit den etablierten Moscheegemeinden geben wird. „Auf einer weltlichen Ebene kann ich mir durchaus eine Zusammenarbeit, ähnlich wie bei den unterschiedlich ausgerichteten christlichen Gemeinden, vorstellen.“

In Berlin hatte die Gründung der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee durch die Frauenrechtlerin Seyran Ates für Aufsehen gesorgt. Das Gotteshaus steht jedem offen, egal ob Sunnit, Schiit, Alewit oder Atheist. Frauen dürfen gemeinsam mit Männern unverschleiert beten und selbst predigen.

Der offen homosexuell lebende französische Imam Ludovic-Mohamed Zahed hielt dort eine Freitagspredigt. Konservative Muslime bedrohen Ates seit der Eröffnung, die Frauenrechtlerin steht unter Polizeischutz.

Die türkische Religionsbehörde Diyanet, die auch Deutschlands größten Islamverband Ditib kontrolliert, lehnt die liberalen Initiativen ab: Es handele sich um Bemühungen, die Religion „zu untergraben und zu zerstören“. Auch die für islamische Rechtsfragen zuständige Fatwa-Behörde in Ägypten sprach der Moschee ihre Existenzberechtigung ab.

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) kündigte unterdessen eine härtere Gangart gegenüber Ditib an. Der Verband steht seit Monaten wegen der Einflussnahme aus Ankara in der Kritik. Im Herbst will Ditib an seinem Bundessitz in Köln die neue Zentralmoschee eröffnen, Europas größtes muslimisches Gotteshaus. Reker, die bei der Eröffnung anwesend sein will, forderte eine stärkere Transparenz des Gotteshauses. „Ich möchte, dass der Beirat der Moschee wiederbelebt wird mit einer neuen Ernsthaftigkeit und dem Ziel einen echten Beitrag zu mehr Akzeptanz für die Moschee und unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger“, sagte Reker. Der Beirat müsse die Vielfalt der Stadt widerspiegeln und eine wirkliche Gestaltungsmöglichkeit bekommen, so Reker. Außerdem sollten die Imame in Köln auf Deutsch predigen.