Windenergie

NRW erlaubt bis zu 200 Meter hohe Windräder im Wald

Auf einem Bergrücken gelegen: der Windpark Schöneseiffen in der Nähe von Schleiden (Kreis Euskirchen).

29.03.2012 DÜSSELDORF. NRW bricht mit einem Tabu und will bis zu 200 Meter hohe Windräder im Wald erlauben. In Nadelwäldern sollen außerhalb von Schutzgebieten mehr als 2000 Windräder gebaut werden. Nach Angaben von Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) stehen private Investoren Schlange.

"Wir wollen Hürden abbauen", sagte Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) bei der Vorstellung des Leitfadens "Wind im Wald". Bis 2020 soll der Anteil der Windenergie in NRW von heute vier und 15 Prozent erhöht werden. Dann sollen bis zu 9300 Megawatt Strom aus Windkraft erzeugt werden - bisher leisten die überwiegend älteren, kleinen 2900 Windanlagen in NRW rund 3000 Megawatt.

Zur Minderung von Konflikten sollen Laubwälder sowie Natur- und Vogelschutzgebiete aber Tabuzonen bleiben. Genutzt werden sollen neben Nadelwäldern auch Kahlflächen.

Insgesamt glaubt Remmel, dass zwei bis drei Prozent der 916.000 Hektar Waldfläche für Windräder genutzt werden können. Pro Anlage ist eine Fläche von 8,5 Hektar erforderlich - dafür müssen jeweils 3000 bis 6000 Quadratmeter "entwaldet" werden.

Da private Waldbesitzer nur durchschnittlich vier Hektar Wald besitzen, müssen sie mit anderen Eigentümern kooperieren. Bei Kosten von rund vier Millionen Euro für ein Drei-Megatt-Windrad werden die meisten Waldbesitzer Flächen an Investoren verpachten.

Experten sehen Pachterlöse von bis zu 80.000 Euro pro Standort im Jahr. Auch auf dem Gebiet des Staatswaldes, der 13 Prozent der gesamten Waldfläche ausmacht, will NRW von Pächtern Windräder bauen lassen. Remmel regte weitere "Bürgerwindparks" an, um die Erlöse im Ort zu halten.

Der Minister räumte ein, dass der Ausbau der Windenergie im Wald eine "Veränderung des Landschaftsbildes" mit sich bringt. "Ob diese Veränderung als negativ empfunden wird, hängt vom subjektiven Empfinden des Betrachters ab. Es gibt aber eine völlig andere Stimmung als vor zehn Jahren."

Markante und historische Kulturlandschaften sollen bei einer drohenden "Verunstaltung des Orts- und Landschaftsbildes" geschützt bleiben. Windparks in Wäldern sollen an Flächen entstehen, die möglichst leicht über bestehende Zufahrtswege erreichbar sind. Die NRW-Naturschutzverbände hatten durchgesetzt, dass Schutzgebiete und ökologisch wichtige Laubwälder windkraftfreie Zonen bleiben.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (LNU) äußerte dennoch die Sorge, dass mit der Nutzung der Wälder für Windräder eine "Tür geöffnet wird". Neben der Ausweisung von Waldflächen setzt Remmel auf die Umrüstung auf große Windräder ("Repowering"). Außerdem sollen neue Windparks gezielt in der Nähe von Infrastrukturachsen (Autobahnen, Bahnnetzen) gebaut werden. Weil viele Städte Probleme haben, Flächen für Windparks auszuweisen, soll der Ausbau in Wäldern forciert werden. "Bisher wurde um die Wälder ein großer Zaun gezogen. Der wird jetzt eingerissen", trieb Remmel die Energiewende voran. (Wilfried Goebels)