Kommentar zum Parteitag der Grünen

Mut der Verzweifelten

Gut gelauntes Aufbruchssignal: Die beiden grünen Spitzenkandidaten Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt.

Gut gelauntes Aufbruchssignal: Die beiden grünen Spitzenkandidaten Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt.

Berlin. Den Grünen ist es gelungen, trotz kontroverser Debatten von ihrem Parteitag ein Signal der Geschlossenheit zu senden. Zugleich unternahmen sie den Versuch, eine Art Weckruf ins Land zu schicken.

Den Grünen ist es gelungen, trotz kontroverser Debatten von ihrem Parteitag ein Signal der Geschlossenheit zu senden. Zugleich unternahmen sie den Versuch, eine Art Weckruf ins Land zu schicken: Hallo, wir werden noch gebraucht! Zurzeit sehen das allerdings nur noch etwa sieben Prozent der Wähler so. Für den Start in die heiße Phase des Wahlkampfs ist das keine gute Voraussetzung.

2017 kämpfen die Grünen um ihre Existenzberechtigung. Dies haben die Spitzenkandidaten erkannt und daraus die Konsequenz gezogen, die Identifikationsthemen der Partei in den Mittelpunkt des Wahlkampfs zu rücken: Klimaschutz, humanitäre Flüchtlingspolitik, Gleichberechtigung für Homosexuelle. Damit werden die Grünen ihre Kernklientel ansprechen und auch sicher über der Fünf-Prozent-Hürde landen können.

Von ihrem Wahlziel, drittstärkste Kraft zu werden, sind die Grünen aber weit entfernt. Mit dem bei diesem Parteitag verabschiedeten Programm werden sie diesem Ziel auch nicht unbedingt näher kommen. Denn um deutlich zweistellig zu werden, benötigen die Grünen auch Wähler aus der bürgerlichen Mitte. Wie Mobilität funktionieren soll, wenn in 13 Jahren keine Benzin- oder Diesel-Autos mehr neu zugelassen werden sollen, können sich die Durchschnittsverbraucher nicht vorstellen. Wer mit seinen Kindern in Berlin lebt und per Auto die Oma im Rheinland besuchen möchte, müsste also zwischendurch ein Motel mit starken Steckdosen aufsuchen. Auf diese praktischen Fragen geben die Grünen zu wenige Antworten.