Zu Gast beim Internationalen Club La Redoute

Ministerin Schavan nennt Föderalismus Hemmnis

bonn.  Die Bundesbildungsministerin hat in Bonn ein leidenschaftliches Plädoyer für die Forschung gehalten. Für die Länderkollegen hatte sie wegen der Gründung einer Arbeitsgruppe zur Bildung von Vorschlägen nur Spott übrig.
Beim Club La Redoute: Annette Schavan. Foto: Barbara Frommann

Die Frage nach einem Interview für den General-Anzeiger beantwortete der Pressesprecher vor einigen Tagen schnell. "Das wird nicht möglich sein", sagte er und verwies darauf, dass Annette Schavan vor ihrem Besuch beim Internationalen Club La Redoute Termine habe und im Anschluss an die Bad Godesberger Veranstaltung wieder nach Berlin fliege.

Dabei hätte man doch gern danach gefragt, wie sich die Bundesbildungsministerin in der Plagiatsaffäre verteidigen oder was sie ihren Kritikern sagen will - zumal am Wochenende bekannt wurde, dass sie bei der Universität Düsseldorf eine umfassende schriftliche Stellungnahme eingereicht hat.

Doch um all das ging es am Dienstagabend nicht. "Fortschritt durch Bildung und Forschung" lautete Schavans Thema. Passend dazu der Ort: Die Mitglieder des Clubs trafen sich nicht in der angestammten Redoute oder im Ausweichquartier, dem Rheinhotel Dreesen, sondern im Hörsaal des Forschungszentrums Caesar an der Rheinaue. Und hörten Schavans Bekenntnis, dass Bildung, Wissenschaft und Forschung "der größte Hebel für den Fortschritt in Deutschland" und Grundlage für den kulturellen und intellektuellen Wohlstand im Land seien.

Doch in den nächsten Jahren entscheide sich, ob Deutschland auch künftig noch in der internationalen Spitze der Forschungslandschaft vertreten sei. Dass etwa Indien seine Studenten nur noch in die 500 besten Hochschulen der Welt schicken will, zeige die Entschlossenheit des Landes, mit den besten der Welt zu konkurrieren. "Diese Entschlossenheit brauchen wir auch."

Den Föderalismus, "wie er sich derzeit präsentiert", nannte Schavan ein Hemmnis für eine stärkere Internationalisierung der Wissenschaft. "Starker Föderalismus ist nicht, es anders zu machen als im Nachbarbundesland, sondern ein Format zu entwickeln für die globale Welt", so die Ministerin.

Einmal in Schwung holte sie gleich zum nächsten Schlag gegen ihre Länderkollegen aus: "In der Welt interessiert doch niemanden der Vergleich zwischen 16 Ländern." Beispiel Lehrerbildung: Sie verstehe nicht, dass ein in Bonn ausgebildeter Lehrer nicht in Dresden, Stuttgart oder München arbeiten könne.

"Macht doch endlich einen Staatsvertrag, damit ihr eure Abschlüsse gegenseitig anerkennt", forderte sie - und hatte nur Spott dafür übrig, dass die Bildungsminister aus den 16 Ländern jetzt eine Arbeitsgruppe einberufen hätten, die bis Ende 2014 Vorschläge zur gegenseitigen Anerkennung der Abschlüsse machen solle. "Die werden dann angenommen - oder auch nicht", so Schavan mit ironischem Unterton.

Auch das Beharren auf getrennten Terminen für die Abiturprüfungen könne sie nicht verstehen. "Warum setzt man nicht die drei entscheidenden Prüfungen auf die Woche nach den Osterferien an", fragte die Ministerin rhetorisch, "Ostern fällt überall auf den gleichen Tag." In ganz Deutschland würde dann etwa darüber diskutiert, welche Gedichte zu interpretieren gewesen wären. "Man würde die Schule für die Gesellschaft interessanter machen."

Skeptisch betrachtet sie eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. "Es ist nicht gut, dass wir so schnell wieder kippen." Wenn G9 erneut eingeführt sei, komme bald ein Vater aus London zurück, der darüber klage, dass die Schüler in Großbritannien schneller fertig sind. "Die Diskussion um G8 wird dann wiederkommen."

Von Diskussionsteilnehmern kam Lob, wie leidenschaftlich Schavan für Bildung und Forschung warb. Worte über ihre Dissertation wurden an diesem Abend offenkundig nicht vermisst.

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