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Hells Angels
Minister für hartes Durchgreifen gegen Rocker - Ex-Mitglied packt aus
dpa
Kiel. Innenminister und Polizei wollen mit aller Härte gegen Rockerbanden vorgehen. Ein bundesweites Verbot scheint näher zu rücken. Derweil packt ein Ex-Rocker als Kronzeuge aus.
Prozess gegen Ex-Chef der früheren Kieler Rockerbande 'Legion 81'. Foto: dpa
Ein Ex-Rocker bricht sein Schweigen: Vor dem Kieler Landgericht hat ein Kronzeuge Einblicke in das Innenleben der Bande gegeben und massive Vorwürfe gegen den Chef der Hannoveraner Hells Angels, Frank Hanebuth, erhoben. Dieser habe eine zentrale Rolle im Norden gespielt und auch die Ermordung eines Türken in Kiel in Auftrag gegeben.
Das sagte der frühere Präsident der inzwischen aufgelösten Kieler Rockergruppe Legion 81, einer Art Hilfstruppe der Hells Angels. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Lorenz Caffier (CDU), sieht ein bundesweites Verbot von Rockerclubs näherrücken.
Eine Reihe von Anzeichen sprächen dafür, dass es eine intensive Vernetzung der Clubs untereinander gebe, sagte Caffier am Donnerstag am Rande der Innenministerkonferenz in Göhren-Lebbin (Mecklenburg-Vorpommern). Belastbare Beweise lägen aber noch nicht vor.
Auch aus Sicht des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) mehren sich die Hinweise auf bundesweite Verstrickungen. "Die führenden Köpfe kennen sich von Präsidententreffen, bei denen Reviere untereinander aufgeteilt werden", sagte BDK-Chef André Schulz am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa.
"Dabei kennen Rocker keine Landesgrenzen." "Bei den Hells Angels kann man davon ausgehen, dass der hannoversche Clubpräsident Frank Hanebuth der führende Kopf in Deutschland sein dürfte", sagte Schulz. "Nach unserem Kenntnisstand werden in den regionalen Hells Angels-Ablegern keine wichtigen Entscheidungen getroffen, die Hanebuth nicht abgenickt hat."
Vor dem Kieler Landgericht sagte der Kronzeuge aus, Hanebuth habe die Ermordung des Türken in Auftrag und zur Ausführung grünes Licht gegeben. Vom Mord habe er auf einer Weihnachtsfeier 2010 erfahren, als er in den inneren Führungszirkel der Kieler Hells Angels aufgenommen worden sei.
Der Mann sei vor seinem Tod von Hells Angels lange und schwer gequält worden. Die Polizei sucht seit einer Woche in einer Lagerhalle in Altenholz bei Kiel nach Überresten des Türken, der vor zwei Jahren spurlos verschwand. Der Kronzeuge, der selber wegen Zuhälterei und schwerer Körperverletzung angeklagt ist, kann mit einem geringeren Strafmaß rechnen.
Hanebuth soll auch über "Hausbesuche" der Hells Angels entschieden haben - "das heißt in unserer Sprache, dass auf jemanden geschossen oder die Kniescheibe kaputtgehauen wird", sagte der Angeklagte vor Gericht. Im Endeffekt werde der Tod des jeweiligen Opfers in Kauf genommen.
Der Kronzeuge, der mit schusssicherer Weste auftrat, nannte zahlreiche Namen von Rockermitgliedern und deren Aufgaben. "Das ist eine abgeschlossene Welt mit eigenen Autohändlern, eigenen Discos und bestimmten Kommunikationswegen, die eingehalten werden müssen." Er fügte hinzu: "Die Hells Angels sind nicht rechts oder links, es geht um Kohle."
Mit seiner Aussagebereitschaft ging der Ex-Rocker ein hohes Risiko ein. Während seiner Aussage sprang ein tätowierter Zuhörer auf und stieß eine indirekte Morddrohung gegen ihn aus: "Der ist tot."
In den vergangenen Tagen war die Polizei in verschiedenen deutschen Städten mit großangelegte Aktionen gegen Rockerclubs vorgegangen. Nach Razzien in Berlin und Brandenburg sucht die Polizeibehörde in der Hauptstadt weiterhin nach einem möglichen "Maulwurf" in ihren Reihen. Die Rocker waren vermutlich vorgewarnt. Die amtierende Polizeipräsidentin Margarete Koppers leitete am Donnerstag Ermittlungen wegen Geheimnisverrats gegen Unbekannt ein.
Artikel vom 31.05.2012
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