Robert Zollitsch

Mehr als ein Übergangskandidat

BONN/FREIBURG.  Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hat die Skeptiker überrascht. Längst ist er nicht nur in seiner Freiburger Heimatdiözese wegen seiner offenen theologischen Positionen und seiner Nähe zu den Menschen beliebt.
'Konservativ im guten Sinne': Erzbischof Robert Zollitsch. Foto: dpa

"In der Gemeinschaft des Glaubens": Unter diesem Wort, das 2003 der damalige Personalreferent der Erzdiözese Freiburg, Robert Zollitsch, bei seiner Ernennung zum Erzbischof der nach Köln zweitgrößten deutschen Diözese zu seinem Wahlspruch (lateinisch: fidei communione) wählte, steht morgen auch die Metropole des Breisgaus. Denn Zollitsch, seit 2008 zugleich Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn, feiert seinen 75. Geburtstag.

Am Vormittag mit einer festlichen Matinee im Freiburger Konzerthaus, zu der Bischofskonferenz und Erzbistum gemeinsam einladen. Die Festrede hält Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Die Festpredigt im nachmittäglichen Gottesdienst im Münster hält der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper. Und anschließend wird im Priesterseminar Collegium Borromaeum gefeiert.

Das Festprogramm spiegelt das Wirken von Zollitsch wider, der mit seinem 75. Geburtstag zugleich Papst Franziskus um seine Emeritierung bitten muss (siehe Interview). Allerdings wird damit gerechnet, dass sich der Papst damit bis zum Frühjahr 2014 Zeit lässt, wenn turnusmäßig die gegenwärtig 65 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz für sechs Jahre einen neuen Vorsitzenden wählen. Aussichtsreichste Kandidaten sind der Münchener Erzbischof Reinhard Kardinal Marx (59) und sein Berliner Kollege Rainer Maria Woelki (56).

Robert Zollitsch wurde im späteren Jugoslawien geboren, sein 16-jähriger Bruder von der Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee 1944 ermordet. 1946 floh die Familie nach Deutschland, wo Zollitsch das Abitur ablegte, in Freiburg und München Theologie studierte. 1967 wurde er zum Priester geweiht und 1974 promoviert.

Wurde seine 2008 für viele überraschende Wahl zum Nachfolger des populären Mainzer Bischofs Karl Kardinal Lehmann auch als Übergangslösung angesehen, so wurde nicht nur das kirchliche, sondern auch das politische Deutschland mehr als überrascht. Schon bald wurde deutlich, dass Zollitsch alles andere als ein Übergangsvorsitzender war, sondern die Bischofskonferenz mit seiner eigenen Handschrift prägte - nicht zuletzt durch den von ihm initiierten Dialogprozess zur inneren Reform der katholischen Kirche.

Längst ist Zollitsch, der sich selbst als "konservativ im guten Sinne" versteht, nicht nur in seiner Freiburger Heimatdiözese wegen seiner offenen theologischen Positionen und seiner Nähe zu den Menschen beliebt. Mit seinem badischen evangelischen Kollegen, Landesbischof Ulrich Fischer, verbindet ihn eine enge ökumenische Zusammenarbeit, die beispielhaft für ganz Deutschland ist.

Im Gegensatz zur offiziellen römischen Lehre ist für Zollitsch die evangelische Kirche sehr wohl Kirche, "aber eine andere". So verwundert es nicht, dass der evangelische Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (mit einer katholischen Frau verheiratet) morgen auch die Festansprache hält.

Zollitsch steht einer Zulassung geschiedener Wiederverheirateter zu den Sakramenten offen gegenüber, fördert die Verantwortung der Laien, stärkt die Stellung der Frauen in der katholischen Kirche und ist nicht nur persönlich ein guter Zuhörer. Als Vorsitzender der Bischofskonferenz hat er auch immer das intensive Gespräch mit den politisch Verantwortlichen gesucht.

Am 2. September wird er beim traditionellen Jahresempfang der katholischen Kirche in Berlin über "Glaube und Gerechtigkeit - Kirche vor der Wahl" sprechen. Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" lobt zwar den vergleichsweise offenen Umgang des Erzbischofs mit Kirchenkritikern.

Bei strittigen Themen hätte Zollitsch aber härter kämpfen müssen, sagt der Bundessprecher von "Wir sind Kirche", Christian Weisner. "Wir hätten uns manchmal mehr Motor statt Moderator gewünscht." Zollitsch sei es bei strittigen Reformvorhaben nicht gelungen, Widerstände von stark konservativen Bischöfe zu brechen.

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