Kommentar zu neuen Verbotsdebatten der Grünen

Mehr Ideen, bitte

Online-Versandhändlern wie Amazon, Otto und Co. sollte nach Ansicht der Grünen verboten werden, von Kunden zurückgeschickte neuwertige Waren zu vernichten. „Wir erleben eine Perversion der Wegwerfgesellschaft“, sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Hier sei der Staat gefordert.

Online-Versandhändlern wie Amazon, Otto und Co. sollte nach Ansicht der Grünen verboten werden, von Kunden zurückgeschickte neuwertige Waren zu vernichten. „Wir erleben eine Perversion der Wegwerfgesellschaft“, sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Hier sei der Staat gefordert.

Bonn. Der Staat kann auch Anreize schaffen, indem er unerwünschtes Verhalten teurer macht – oder indem er vernünftiges Verhalten honoriert. Letzteres habe schon früher ganz gut funktioniert und sei ein Weg, wenn Bequemlichkeit und Einsicht nicht zueinanderpassen wollen, kommentiert Helge Matthiesen.

Irgendwie können sie es nicht lassen. Die Grünen mögen Verbote, um die Welt zu verbessern. So jedenfalls wirkt der Vorschlag von Katrin Göring-Eckardt, den Online-Großversendern zu verbieten, Retourware umstandslos zu vernichten. Die Zahl dieser Fälle ist nicht sehr hoch, aber nennenswert. Schon wieder die Grünen, stöhnt so mancher, und die Gegner der Ökopartei reiben sich die Hände ob des berechenbar wiederkehrenden taktischen Fehlers.

Nüchtern betrachtet hat die Abgeordnete jedoch recht. Es läuft etwas schief in der Wirtschaft, wenn es wirtschaftlich ist, neue Ware zu vernichten. Die Verantwortung dafür tragen die Versandhändler – aber ihre Kunden eben auch. Die finden es prima, sich sechs Teile zur Auswahl schicken zu lassen, obwohl sie nur eines behalten wollen – wenn überhaupt. Das ist bequem und es interessiert auch nur wenige, was der Paketbote verdient, der die Kartons an die Haustür trägt. Der muss wenig bekommen, damit das System der Gratisretouren überhaupt funktioniert. Wer sich also an der einen oder anderen Stelle über die Verhältnisse in der Wirtschaft aufregt, fragt sich am besten erst einmal selbst, was er tut oder lässt.

Um Bequemlichkeit geht es auch bei ein paar anderen Vorstößen der Grünen, ein paar Alltagsfragen zu regeln: Pfand für Pizzakartons zum Beispiel oder für Kaffeebecher, die zu Millionen nach einmaliger Nutzung im Müll landen. Auf Bequemlichkeit zu verzichten, fällt den meisten schwer. Der breite Widerspruch ist daher programmiert.

Göring-Eckardts Vorschlag ist dabei noch nicht einmal originell. In Frankreich ist man schon dabei, diese Regelung einzuführen. Und die vielgepriesene Demonstrationsbewegung „Friday for Future“ fordert im Übrigen auch nichts anderes als einen besseren Umgang mit Natur und Rohstoffen. Vielleicht sind der Vorschlag und die Reaktion darauf eher ein Anlass, über den Zustand einer Gesellschaft nachzudenken, die Umweltschutz fordert, aber nichts dafür tun möchte.

Die Grünen glauben an den Staat. Der kann durchsetzen, was mit Einsicht nicht zu erreichen ist. Der Staat kann auch Anreize schaffen, indem er unerwünschtes Verhalten teurer macht – oder indem er vernünftiges Verhalten honoriert. Letzteres hat schon früher ganz gut funktioniert und ist ein Weg, wenn Bequemlichkeit und Einsicht nicht zueinanderpassen wollen.

Spannend ist noch eine letzte Frage an alle, die die Grünen für notorische Spaßbremsen halten. Was schlagen denn SPD, CDU, FDP und all die anderen vor? Die jammern, dass die jungen Wähler sie nicht beachten. Hier ist Raum für ein neues Profil.