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Mitt Romneys Reiseplan
London ja, Berlin vielleicht, Paris nein
Von Thomas Spang
WASHINGTON. Obwohl die Stationen noch nicht endgültig feststehen, hat das Internet-Portal POLITICO den vorläufigen Reiseplan Mitt Romneys längst in Umlauf gebracht. Demnach wird der republikanische Präsidentschafts-Bewerber seine außenpolitische Tour mit einer Rede vor den Veteranen in Reno im Bundesstaat Nevada beginnen. Gelegenheit für Romney, den demokratischen Amtsinhaber Barack Obama anzugreifen. Das gilt als tabu, wenn er danach ins Ausland reist.
Juli 2008: Barack Obama bei Angela Merkel in Berlin. Foto: dpa
Zuerst werden der Kandidat und Frau Ann zur Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in London erwartet. Dort steht dann eine weitere Grundsatzrede auf dem Programm. Nächste Station ist Israel, wo Begegnungen mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie Führern der Opposition geplant sind. Von dort aus geht es weiter nach Polen, ein Land, mit dem Romney die Vorbehalte gegen die russische Führung unter Präsident Wladimir Putin teilt. Am Ende käme er nach Berlin.
Während das vorrangige Interesse Romneys darin besteht, außenpolitische Kompetenz zu signalisieren, ist die Reise hochpolitisch. Warum sonst würde der Kandidat, der als Mormonen-Missionar zwei Jahre in Frankreich lebte und fließend Französisch spricht, keinen Abstecher in Paris machen?
In Israel will er die Nähe zu dem Likud-Führer Netanjahu hervorheben, der mit einer militärische Intervention in Iran droht. Ein unmissverständliches Signal, dass unter seiner Führung ein robusterer Kurs im Nahen Osten zu erwarten ist.
Das Team Romney streitet nicht ab, dass es auch darum geht, jüdische Wähler daheim zu umwerben. Etwa in Florida, wo die Wahlen im Herbst auf Messers Schneide stehen. Polen galt als enger Verbündeter George W. Bushs und fühlt sich von Obama vernachlässigt.
Und Deutschland? Dort geht es Romney darum, die Nähe zur Sparpolitik der Kanzlerin hervorzuheben. Man darf gespannt sein, wie sich Angela Merkel zu der Anfrage des Kandidaten verhält, ihn in Berlin zu treffen.
Obama ließ Merkel im Sommer 2008 zunächst abblitzen, als er mit ihr öffentlich Wahlkampf machen wollte, empfing ihn dann aber doch. Ob Romney ohne Merkel-Termin kommt, bleibt abzuwarten. Anders als Obama werden ihm die Massen gewiss nicht zu Füßen liegen.
Experten wie Bill Kristol vermissen auf der Reise einen Abstecher nach Afghanistan. "Es wäre gut, wenn er bei den Truppen vorbeischaute", meint der Neo-Konservative, der mit vielen außenpolitischen Beratern Romneys befreundet ist. Afghanistan stand offenbar auf dem Programm, bevor es aus ungeklärten Gründen wieder gestrichen wurde.
Die Reise Ende des Monats bleibt auch sonst nicht ohne Risiko. Lenkte sie doch von der bisher konsequenten Konzentration auf Wirtschaft und Arbeitsplätze ab. Das aber sind die Themen, die die Wahlen im Herbst entscheiden dürften.
Artikel vom 09.07.2012
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