SPD in Offenbach

Landtagswahl in Hessen geht in heiße Phase

Thorsten Schäfer-Gümbel, Parteivorsitzender der SPD Hessen.

Thorsten Schäfer-Gümbel, Parteivorsitzender der SPD Hessen.

Berlin. SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel will für seine Partei Hessen zurückerobern. Die SPD startet an diesem Samstag in Offenbach in die heiße Phase ihres Wahlkampfes für die Landtagswahl am 28. Oktober.

Thorsten Schäfer-Gümbel muss daran glauben. Wahlkämpfer leben im Tunnel. Autosuggestion, der Glaube an die eigene Stärke, ist dabei ein unerlässliches Mittel. Es ist sein dritter Anlauf nach 2009 und 2013. Aktuell fünf Prozentpunkte Rückstand. Diese Lücke auf die Hessen-CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Volker Bouffier will „TSG“, wie er bei den Genossen gekürzelt wird, noch zulaufen. Geht nicht, gibt’s nicht, so die Devise.

Wenn die SPD an diesem Samstag in Offenbach in die heiße Phase ihres Wahlkampfes für die Landtagswahl am 28. Oktober in Hessen startet, versammelt Schäfer-Gümbel prominente Unterstützung um sich. SPD-Chefin Andrea Nahles wird an seiner Seite stehen, ebenso die Ministerpräsidentinnen aus Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz, Manuela Schwesig und Malu Dreyer, beide SPD-Vize wie Schäfer-Gümbel auch.

Dabei hätte der noch 48 Jahre alte Herausforderer wenig dagegen, wenn ihm ein Endspurt gelänge wie Dreyer vor zwei Jahren in Rheinland-Pfalz gegen CDU-Herausfordererin Julia Klöckner, die über Monate wie die sichere Wahlsiegerin aussah und dann noch von Dreyer abgefangen wurde.

Die Themen liegen aus Sicht des Kandidaten auf der Straße: Bildung, Mobilität, Umwelt, Wohnen. Gerade erst hat er mit Parteichefin Nahles einen Zwölf-Punkte-Plan für bezahlbares Wohnen aufgelegt. Zentraler Punkt: In den nächsten fünf Jahren sollen Mieten in Ballungsgebieten nur noch in Höhe der Inflation verteuert werden dürfen.

Kein Gesetz für Mietpreisbremse

Er verweist darauf, dass in Hessen noch nicht einmal die alte Mietpreisbremse gelte, weil es das für Bauen zuständige Umweltministerium in Hand der Grünen es nicht geschafft habe, dazu ein Gesetz aufzulegen. Überhaupt hat Schäfer-Gümbel nicht vergessen, dass sich die Grünen, obwohl 2013 in Hessen eine Ampel-Koalition von SPD, FDP und Grünen möglich gewesen wäre, sich auf die Seite der CDU geschlagen habe. Ob die Grünen dieses Mal zu bewegen wären, mit der SPD ins Regierungsboot zu steigen, lasse sich nicht sagen.

Die Grünen im Schwarz-Grün regierten Hessen seien reichlich undogmatisch. Am Ende wird es wohl schlicht vom Wahlergebnis abhängen. Vorsorglich pflegt der hessische SPD-Chef entspannte Kontakte mit FDP und Linken. Dass die Hessen-FDP nach der 2008 von der damaligen SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti verlorenen Landtagswahl damals mit Champagnerflaschen durch die Geschäftsstelle der SPD-Fraktion zog, haben sie bei den Sozialdemokraten nicht vergessen. Doch man weiß in der Politik ja nie, wie es noch kommt.

Abgerechnet wird wie immer zum Schluss, aber der SPD-Herausforderer muss damit rechnen, dass sich ein Fiasko für seine Partei bei der Bayern-Wahl am 14. Oktober auch auf die Stimmung in Hessen auswirken könnte, wo zwei Wochen später gewählt wird. Sinnigerweise hat Schäfer-Gümbel den passenden Migrationshintergrund. Der Sohn eines Zeitsoldaten wurde in Oberstdorf geboren, wuchs aber in frühen Kindesjahren in Gießen auf. Vielleicht aber rüttelt eine CSU-Wahlniederlage auch die CDU durcheinander. Dann würden die Karten auch in Hessen neu gemischt.