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Übernahme des Linken-Vorsitzes
Lafontaine rudert zurück
Von unserem Korrespondenten Thomas Wittke
BERLIN. Von Bedingungen will der Saarländer nichts mehr wissen. Die Häme über den Personalstreit bei der Linkspartei kam von den Sozialdemokraten; der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann meinte nicht frei von Sarkasmus: "Oskar Lafontaine möchte nicht nur der erste, sondern auch der letzte Parteivorsitzende der Linkspartei werden."
Vorbild Napoleon? Oskar Lafontaine polarisiert bei den Linken. Unser Bild zeigt den früheren SPD-Vorsitzenden im Karneval. Foto: ap
Die Chancen stünden aus sozialdemokratischer Sicht gut, dass Lafontaine die Partei nicht nur "gründet, sondern auch zu Grunde richtet".
Zu diesem Zeitpunkt waren bei den Beratungen im Karl-Liebknecht-Haus schon einigermaßen chaotische Verhältnisse erreicht. Vor Beginn der Spitzen-Sitzung hatte der 68-jährige Saarländer nämlich eines unmissverständlich klar gemacht: Er trete nur für die Vorsitzendenstelle, die er schon bis 2010 innehatte, erneut an, wenn er sich nicht mit einem männlichen Gegenkandidaten auseinandersetzen müsse.
So Lafontaine in einem Zeitungsinterview. Die Quotierungsregel lautet aber, dass die beiden gleichberechtigten Vorsitzenden unterschiedlichen Geschlechts sein müssen.Vorgesehen ist auch, dass ein Vertreter aus dem Westen und einer aus dem Osten der Republik kommen müsse. Die internen Reaktionen auf Lafontaines Intervention waren emotional.
Dem Politiker wurde unter anderem "innerparteiliche Erpressung" vorgehalten. Lafontaine, der parallel Vorsitzender und auch Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl 2013 werden wollte, schaltete einen Gang zurück: plötzlich wollte er von Bedingungen nichts mehr wissen. Die "Voraussetzungen" müssten aber stimmen. Er schloss eine Kampfkandidatur aus: "Das wäre nicht unbedingt der krönende Abschluss meiner Karriere."
Schon Ende 2011 hatte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken-Faktion im Bundestag, Dietmar Bartsch, seine Kandidatur angemeldet - zur Not auch gegen Lafontaine. Der amtierende und intern äußerst umstrittene Vorsitzende Klaus Ernst hatte erklärt, er werde auf eine Kandidatur gegen Lafontaine verzichten, wenn dieser bereit wäre, seine Nachfolge anzutreten.
Der Linkspartei sitzen die Piraten im Nacken, die zuletzt bei den Landtagswahlen in Kiel und Düsseldorf die Fünf-Prozent-Hürde souverän meisterten, während die Linkspartei klar scheiterte. Insoweit kommt nach der Vertagung am Dienstagabend dem am ersten Juni-Wochenende in Göttingen stattfindenden Wahlparteitag der Linken erhöhte Bedeutung zu.
Artikel vom 16.05.2012
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