Heiner Koch

Kölner Weihbischof wird Oberhirte im Bistum Dresden-Meißen

BONN.  Der Weltjugendtag in Köln im Sommer 2005 war Heiner Kochs Meisterstück. Dass das große Jugendtreffen in der Erinnerung vieler Menschen im Erzbistum auch heute noch einen so positiven Klang hat, hat auch viel mit dem damaligen Generalsekretär der Veranstaltung zu tun.
Verlässt das Rheinland: Bischof Heiner Koch. Foto: dpa

Mit seiner ruhigen, unaufdringlichen, aber dennoch bestimmten Art hatte er bereits drei Jahre lang an der Spitze eines großen Teams an Haupt- und Ehrenamtlichen die Vorbereitung geleitet. Er setzte etwa gegen Widerstände im Vatikan durch, dass Papst Benedikt XVI. mit dem Schiff nach Köln kam.

Koch erinnert sich besonders gern an die abendliche Vigilfeier auf dem Marienfeld, als Hunderttausende beteten und später unter freiem Himmel schliefen. "Wir standen am Altar und sahen die Menschen, wie sie sich hinknieten, als das Allerheiligste vorbeizog. Das sah aus wie bei einer verzögerten La-Ola-Welle", sagte Koch einmal in einem Interview.

Für ihn selbst wurde der Weltjugendtag zum Sprungbrett für seine Karriere. Aus dem stellvertretenden Generalvikar wurde schon im März 2006 der Weihbischof, zuständig für den Pastoralbezirk Süd, zu dem auch Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis gehören. Und gestern wurde bekannt, dass Koch künftig ein eigenes Bistum führen wird.

Nachdem sich das Dresdener Domkapitel für den gebürtigen Düsseldorfer entschieden hatte, ernannte der Papst ihn offiziell zum Oberhirten des Bistums Dresden-Meißen, das Sachsen und Teile Thüringens umfasst. Dort leben nur rund 140.000 Katholiken, aber drei Millionen, die nicht getauft sind. Vor einem Jahr war Bischof Joachim Reinelt in den Ruhestand gegangen. Für den 3. März, 17 Uhr, ist die Verabschiedung Kochs im Kölner Dom geplant, für den 16. März die Amtseinführung.

Koch selbst war am Freitag nicht zu sprechen. Er befinde sich auf Exerzitien, sagte eine Sprecherin des Erzbistums. Der 58-Jährige gilt als rheinische Frohnatur. "Der liebe Gott hat mich mit einer guten Portion Lebensfreude ausgestattet", sagte er einmal über sich selbst. Er ist auch Bundespräses der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften.

In seiner Düsseldorfer Heimatpfarrei war Koch bereits Leiter der Katholischen Jungen Gemeinde und der Messdiener, teilte das Erzbistum mit. In Bonn studierte er Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaft. Seine Dissertation schrieb er über ein religionspädagogisches Thema. 1980 wurde er Priester. Er war Kaplan in Kaarst, Jugendseelsorger in Neuss und Hochschulpfarrer in Düsseldorf. Ab 1989 hatte er Aufgaben im Kölner Generalvikariat inne. Im Vorjahr wurde er Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes.

Während in Köln aufgrund der schrumpfenden Kirche immer mehr Strukturen abgebaut werden, wächst die Kirche in Kochs neuem Bistum. Die demografisch gesehen stärkste Gruppe seien die 20- bis 30-Jährigen, sagte Koch dem domradio in einem vorab aufgezeichneten Interview. Der Dresdner Weihbischof habe ihm daher gesagt: "Eins wirst Du bei uns nicht machen müssen: Abbauen." Daher freue er sich auf den Aufbau, erklärte Koch.

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