Kommentar zum deutsch-französischen Ministerrat

Keine Pflichtübung

Man kennt sich und versteht sich: Der französische Präsident Emmanuel Macron empfängt Angela Merkel am Elysée Palast in Paris.

Man kennt sich und versteht sich: Der französische Präsident Emmanuel Macron empfängt Angela Merkel am Elysée Palast in Paris.

Paris. Die regelmäßigen Begegnungen sinnvoll und mehr als eine symbolische Pflichtveranstaltung. Es geht vielmehr um die konkrete Abstimmung in vielen Einzelbereichen, die nicht immer für spektakuläre Überschriften gut sind und die Zeit brauchen, meint unsere Korrespondentin Birgit Holzer.

Was soll eigentlich eine Veranstaltung wie der deutsch-französische Ministerrat bewirken, der sich im Schnitt einmal halbjährlich trifft? Innerhalb von wenigen Stunden begegnen sich die jeweiligen Amtskollegen verschiedener Ressorts zu bilateralen Gesprächen, wohnen noch der gemeinsamen Pressekonferenz ihrer Chefs – Präsident und Kanzlerin – bei, in der die Bedeutung der deutsch-französischen Partnerschaft hervorgehoben wird, und reisen ab. Manche mag der Trommelwirbel irritieren. Dennoch sind die regelmäßigen Begegnungen sinnvoll und mehr als eine symbolische Pflichtveranstaltung. Nicht obwohl, sondern gerade weil ambitioniert, aber zugleich vage klingende Projekte wie ein deutsch-französischer „Airbus der Energie“, den der frühere Präsident François Hollande einmal ohne nähere Erklärung und weitere Folgen angekündigt hatte, ausbleiben.

Es geht vielmehr um die konkrete Abstimmung in vielen Einzelbereichen, die nicht immer für spektakuläre Überschriften gut sind und die Zeit brauchen – wie die jetzt angekündigte gemeinsame Entwicklung eines neuen Kampfjets. Sie sind es zugleich, die beide Länder auf verschiedenen Ebenen verbinden und letztlich diese beispiellos enge deutsch-französische Beziehung ausmachen. Vor allem aber handelt es sich bei diesen Treffen um eine wichtige Gelegenheit zur Begegnung und zum Kennenlernen der anderen Seite, die nicht immer gleich tickt. Aber der Versuch, zu verstehen, wie sie tickt, ist eine gute Grundvoraussetzung für die gute Zukunft dieser Beziehung.