Kommentar zu Horst Seehofer

In die Verlängerung

Plant bereits die nächsten Schritte: Horst Seehofer.

Plant bereits die nächsten Schritte: Horst Seehofer.

Berlin. Für die CSU-Kronprinzen um die Nachfolge als Ministerpräsident und Parteichef steht fest, dass der aktuelle Amtsinhaber Horst Seehofer sich selbst in die Verlängerung schickt. Könnte sein Neid auf Merkel dabei eine Rolle spielen?

Im November bat CSU-Chef Horst Seehofer seine Partei um Geduld und Vertrauen, dass er die Personalien schon gut richten werde. Über die Weihnachtszeit werde er sich intensiv Gedanken machen und dann das eine oder andere Gespräch führen. Da war die Idee, dass nicht Markus Söder, Ilse Aigner, Joachim Herrmann oder wer auch immer seine Nachfolge als Ministerpräsident und Parteichef antreten könnte, sondern er selbst, nicht mehr als eine Drohung an seine potenziellen Kronprinzen. Inzwischen ist es umgekehrt: Alle rechnen damit, dass sich Seehofer nächsten Montag selbst in die Verlängerung schickt.

Erklärter Maßstab war für ihn, wer am besten den CSU-Erfolg garantiert. Vermutlich käme in der Parteispitze keiner auf die Idee, dass es 2017 im Bund und 2018 in Bayern einen gäbe, der dafür eine größere Gewähr biete als Seehofer. Er hat zwar im Laufe seiner Karriere ein Lager voller innerparteilicher Gegner gefüllt. Aber noch kuschen die bei jeder Volte, die Seehofer den Seinen verordnet. So spricht viel dafür, dass er sein politisches Gewicht noch zwei Mal in die Waagschale werfen wird: bei der Bundestagswahl als Parteichef und bei den Landtagswahlen als Ministerpräsident.

Eine kleine persönliche Motivation mag eine Rolle spielen: der Neid auf Merkel und ihr Durchsetzungsvermögen. Die Perspektive, die ständige Widersacherin und bei vielen Themen erklärte Gegnerin seiner Überzeugungen künftig vom Altenteil aus beim Gestalten beobachten zu müssen, dürfte ihm das Gefühl gegeben haben, lieber am Ruder zu bleiben. Politische Alphatiere sind so.