Kommentar zur CDU

In der Pflicht

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Bonn. Sollte Annegret Kramp-Karrenbauer die CDU in den nächsten Wochen in den Umfragen nicht wieder stabilisieren können und weiter in diverse Fettnäpfchen treten, sollten zudem die drei anstehenden Landtagswahlen verloren gehen, dürften in der Partei in Sachen Kanzlerkandidatur die Rufe nach einer anderen personellen Lösung lauter werden, kommentiert Bernd Eyermann.

Annegret Kramp-Karrenbauer will also durcharbeiten und in den Sommerferien bei Krisenmanagement und der Entwicklung von Konzepten für die CDU keine Pause machen. Dabei täte ihr nach all den Schwierigkeiten zuletzt ein wenig Erholung sicher ganz gut. Oder ahnt die CDU-Vorsitzende, dass diese Sommerpause eine besondere werden und die nächste Bundestagswahl schneller anstehen könnte als gedacht? Im hochnervösen Berliner Politikbetrieb wird vieles für möglich gehalten, sogar, dass die SPD, die in den Umfragen bei nur zwölf Prozent liegt und nicht einmal einen gewählten Vorsitzenden hat, die Koalition verlassen könnte.

Für alle Parteien bedeutet das: Sie müssen sich auf jedes mögliche Szenario vorbereiten, inhaltlich ihr Profil schärfen und personell deutlich machen, mit wem sie in eine Wahlauseinandersetzung gehen wollen. Gerade in der Union dürfte es deshalb in den nächsten Wochen spannend werden. Genauer gesagt: in der CDU, denn die CSU dürfte kein Interesse an einer Kanzlerkandidatur haben.

Sollte Kramp-Karrenbauer aber die CDU in den nächsten Wochen in den Umfragen nicht wieder stabilisieren können und weiter in diverse Fettnäpfchen treten, sollten zudem die drei anstehenden Landtagswahlen verloren gehen, dürften die Rufe in der Partei nach einer anderen personellen Lösung lauter werden, zum Beispiel nach NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Das wird ihm derzeit zwar nicht recht sein, sieht er seine Aufgabe an Rhein und Ruhr doch längst nicht als erfüllt an – und dennoch wird er sich dann in die Pflicht nehmen lassen.

Im Gegensatz zu seiner Vorgängerin Hannelore Kraft, die „nie, nie“ nach Berlin gehen wollte, weiß Laschet, dass man auch für die erste Reihe der Bundespolitik bereit sein muss, wenn man das bevölkerungsreichste Land führt. Ist man das nicht, schadet es auch einem Landespolitiker. Diese Erfahrung Krafts will Laschet nicht machen. Außerdem war der Aachener jahrelang in der europäischen und der internationalen Politik unterwegs. Von Vorteil zudem ist, dass er sowohl mit SPD, FDP und auch den Grünen gut kann.

Noch ein Blick zurück: Als 1966 in Bonn die schwarz-gelbe Koalition unter Ludwig Erhard zerbrach, war der eine erfolgreiche CDU/FDP-Koalition führende baden-württembergische Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger der Kandidat, für den sich die Union entschied. Er war ein Landespolitiker mit bundespolitischer Erfahrung, der aber nicht in die Querelen um Adenauers Nachfolge verwickelt war. Gewisse Parallelen zu Laschet sind durchaus erkennbar.