GA-Serie
Im Wohnwagen durch den Wahlkreis
RUPPICHTEROTH. Wenn Politiker Bürgersprechstunden halten, dann finden die meist in Wahlkreisbüros, vielleicht in Rathäusern oder auch in Gaststätten statt. Nicht so bei Dirk Schlömer. Der Hennefer Sozialdemokrat, einer von fünf neuen Landtagsabgeordneten, die der General-Anzeiger über einen längeren Zeitraum begleitet, empfängt die Menschen im Wohnwagen. An diesem Morgen in Ruppichteroth im östlichen Rhein-Sieg-Kreis.
"Es kommt ja nicht jeder nach Troisdorf ins Wahlkreisbüro", sagt Schlömer, nachdem er das "mobile Bürgerbüro", wie er seinen Wagen nennt, auf den kleinen Parkplatz an der Brölstraße rangiert hat. Von hier aus sind es eine gute halbe Stunde mit dem Auto, aber mehr als 60 Minuten mit Bus und Bahn bis Troisdorf.
Und so steht der direkt gewählte Abgeordnete derzeit an drei von vier Samstagen im Monat auf den Plätzen seines Wahlkreises und will mit den Bürgern ins Gespräch kommen. Doch diese Frequenz reicht ihm noch nicht. "Am liebsten wäre mir, wenn ich einmal im Monat in alle sieben Kommunen zwischen Lohmar und Windeck käme, nach einem festen Fahrplan, damit sich die Bürger darauf verlassen können", sagt Schlömer.
Die Genossen vor Ort sind angetan von diesem Ehrgeiz. Horst Alenfelder, Vorsitzender der Gemeinderatsfraktion, zum Beispiel. Er merkt aber auch an: "Nicht das Anfangen wird belohnt, sondern das Durchhalten." Von den Wählern, meint Alenfelder und denkt schon voraus auf die Landtagswahl in viereinhalb Jahren. Da will die SPD, die im Mai hier in Ruppichteroth die CDU erstmals bei Landtagswahlen überholt hat, ihre führende Position zumindest halten.
Reiner te Pass könnte dazu beitragen. Er hatte davon gelesen, dass Schlömer kommen würde und will sich nun erkundigen, wann denn das Sozialticket wieder aufgelegt wird. Das war Anfang des Jahres eingeführt, im Zuge der Landtagsauflösung aber wegen fehlenden Geldes wieder abgeschafft worden.
"Gerade Hartz-IV-Bezieher brauchen das, wenn sie mobil bleiben wollen", sagt der 58-Jährige, der erst vor kurzem wieder "eine richtige Arbeit" gefunden hat und Schlömer nun auffordern will, sich für die Wiedereinführung des Tickets einzusetzen. Der Abgeordnete bittet te Pass in den Wohnwagen. Zwei gemütliche, rote Polsterbänke stehen dort, dazwischen ein Tisch. Heizung, Kühlschrank und Toilette sind ebenfalls vorhanden.
Ein Anruf beim Nahverkehr Rheinland folgt. Der Geschäftsführer ruft später zurück, als te Pass schon nicht mehr da ist: Zum 1. Januar gebe es das Sozialticket wieder. Schlömers Mission ist schnell erfüllt. Er schickt dem Bürger eine Mail, worauf dieser sich fast überschwänglich bedankt. "Das ging ja phantastisch schnell, ich werde mich daran erinnern", schreibt te Pass zurück in den Wohnwagen. Vielleicht bei der nächsten Landtagswahl?
Das Problem von Bettina Krei ist vielschichtiger. Die Frau aus dem Ortsteil Oeleroth hat ein kleines Nachhilfeinstitut und Ärger mit dem Jobcenter des Rhein-Sieg-Kreises. "Es dauert ewig, bis wir Geld bekommen", sagt sie, als sie das Bürgerbüro betritt. Ein Beispiel: Im März sei der Antrag auf "Leistungen aus Bildung und Teilhabe", sprich Lernförderung, für ein Kind gestellt worden, das Nachhilfe dringend benötige, dessen Eltern dafür aber kein Geld hätten.
Sie sei in Vorleistung getreten und habe schon Nachhilfe gegeben - damit das Kind die Klasse schaffe. Im Juni sei der Antrag abgelehnt worden. Etwas später sei Einspruch eingelegt worden, aber nun sei der Vorgang nicht mehr auffindbar. "Ich brauche schnelle Entscheidungen", sagt Krei, die Verfahren im Jobcenter dauerten viel zu langsam. Schlömer notiert und berichtet davon, dass er in Kürze sowieso ein Gespräch mit der Leiterin des Jobcenters habe. "Da werde ich das Problem ansprechen", sagt er.
Mit der Bürgersprechstunde in Ruppichteroth sei er sehr zufrieden, sagt Schlömer auf dem Rückweg ins Wahlkreisbüro nach Troisdorf. Es sind zwar nur zwei Handvoll Bürger gekommen. Doch denen habe er helfen oder Auskunft geben können, oder er habe Probleme der Bürger erfahren, denen er jetzt nachgehen könne. "Und die, die nicht im Bürgerbüro vorbeigekommen sind, haben wenigstens von der Straße den Wohnwagen mit dem großen Schriftzug gesehen." Für Politiker ein nicht zu unterschätzender Faktor - selbst wenn die nächste Landtagswahl erst 2017 ansteht.
GA-Serie
Unter dem Motto 5 aus 237 berichtet der GA in unregelmäßiger Folge über die Arbeit von fünf NRW-Landtagsabgeordneten aus dem südlichen Rheinland, die am 13. Mai erstmals ins Parlament gewählt wurden. Dabei geht es zum Beispiel um die Verbindung von Mandat und Beruf, die Einbindung in die Partei, die erste Rede im Landtag oder aber - wie bei Dirk Schlömer - um die Tätigkeit im Wahlkreis. Neben ihm sind dabei: Serap Güler (CDU) aus Köln, der Bonner Grüne Rolf Beu, Ralph Bombis (FDP) aus Erftstadt und der Kölner Pirat Stefan Fricke.
Artikel vom 19.12.2012


