Ein Prosit auf Europa

Heiko Maas auf Tour durch den Balkan

Auf fruchtbare Gespräche stießen die Außenminister Heiko Maas (rechts) und Nikola Dimitrov (links) in Skopje an.

Auf fruchtbare Gespräche stießen die Außenminister Heiko Maas (rechts) und Nikola Dimitrov (links) in Skopje an.

SKOPJE/TIRANA. Außenminister Heiko Maas drängt bei seiner Balkantour auf ein Ende des Namensstreits um Mazedonien. Mazedonien drängt wiederum auf einen Beitritt zur EU. Die Zeichen stehen auf Annäherung.

Drei Länder, ein Geburtstag. Heiko Maas ist am Mittwoch 52 Jahre alt geworden. Tag drei der Reise des Bundesaußenministers über den westlichen Balkan. Morgens Mazedonien, mittags Albanien, abends Griechenland. Mazedonien und Albanien wollen endlich eine konkrete EU-Beitrittsperspektive. Zudem steht der ewige Namensstreit zwischen Griechenland und dem Nachbarn Mazedonien, der ehemaligen jugoslawischen Republik, vor einer historischen Einigung.

Noch ist Mazedonien draußen – aber seit 13 Jahren EU-Beitrittskandidat. Außenminister Nikola Dimitrov möchte gern, dass für sein Land die Tür zu EU und Nato endlich aufgeht. Beim Auftritt mit Maas in Skopje schafft er ein wunderbares Bild: „Wir sind draußen. Jene, die drinnen sind, vergessen manchmal, wie kalt es draußen ist.“ Sein Land habe viel Zeit vertan und dabei „auch den Kompass verloren“. Man habe „viele Züge nach Europa verpasst“, dabei beinahe eine Generation verloren. Bittere Erkenntnis, ungeschminkte Wahrheit. Aber jetzt wollen sie in Skopje baldmöglichst die Fahrkarte nach Europa lösen.

Als bräuchte es noch eine Brücke, unterzeichnen die Botschafter Deutschlands und Mazedoniens ein Abkommen auf gegenseitige Anerkennung der Führerscheine im jeweils anderen Land. Fehlt noch: der europäische Führerschein für Mazedonien. Es geht auch darum, dass nicht noch andere Mächte kommen, die hier ihr Netz aus Einfluss, Macht und Geld auswerfen, weil es die einflussreichen Staaten Europas vorher nicht getan haben. Maas warnt, dass Vertreter von Regierungen aufkreuzen könnten, „die nicht unsere Werte teilen“: Russland hätte Interesse, China auch. Also rollt die europäische Karawane in diesen Wochen nach Skopje.

Anfang September war bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel hier. Zehn Tage später ist Maas da. Auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Norbert Röttgen, führt – unabhängig von Maas – am selben Tag Gespräche mit Premierminister Zoran Zaev und Außenminister Dimitrov. Röttgen twittert nachher, er sei zuversichtlicher denn je, dass ein Ende des Namensstreits mit Griechenland auch ein starkes Signal gegen Populismus und für eine Zukunft Europas sei.

Damit die ehemalige jugoslawische Republik in mittlerer Zukunft tatsächlich eine echte europäische Perspektive hat, müssen vorher die Bürger des Landes in einem Referendum der Änderung ihres Namens zustimmen: in Republik Nord-Mazedonien. Käme es am 30. September so, würde das kleine Land mit seinen knapp zwei Millionen Einwohnern mit dem lange verhassten Nachbarn Griechenland endlich Frieden schließen – nach einem Streit um einen Namen, der 27 Jahre beide Regierungen in Atem gehalten hat. Nach dem Referendum müssten die Abgeordneten in Mazedonien noch mit Zwei-Drittel-Mehrheit die Verfassung für den neuen Landesnamen ändern.

Eine simple Silbe reicht nach Jahrzehnten des Streits plötzlich für Frieden und Aussöhnung. Außenminister Dimitrov sagt bei einem Auftritt in einem ehemaligen Dampfbad: „Wir müssen verstehen, dass wir mit Griechenland Verbündete sein müssen. Wir müssen Freunde sein.“ Er stößt mit Maas in der Altstadt von Skopje mit einem Bier an. Prost. Auf Europa.